quermedia März

Bücher, Serien, Filme, Musik, soziale Netzwerke, Blogs – Herzlich Willkommen in der Welt der Medien. Oder im Konsumrausch. In einer Welt, in der Anbieter sich um unsere begrenzte Aufmerksamkeit streiten, verliert man schnell den Überblick. Wir auch. Deswegen, und weil unsere „Quer durch“-Monatsrückblicke sonst längenmäßig ausufern, haben wir uns eine zusätzliche Form des Zurückblickens überlegt, der sich ganz auf unseren medialen Konsum bezieht und euch hoffentlich mit nützlichen Rezensionen und Anregungen versorgt. Wir freuen uns über eure Meinungen und die ein oder andere Diskussion!

Gelesene Bücher

Iris: Da Lesen nun zu meinem Beruf geworden ist, kommt es in der Freizeit leider etwas zu kurz. Meine Bücher wähle ich deshalb sorgsam aus. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn ich dann eines abbreche:

Archipel von Inger-Maria Mahlke: Es geht irgendwie um Familien und Teneriffa und Details, wie uns die Jury des Deutschen Literaturpreises mitteilt.

Meinung? Vorneweg kann ich euch gleich sagen, dass ich das Buch abgebrochen habe. Ich finde den Schreibstil hölzern, worüber ich noch hätte hinwegsehen können, wenn denn wenigstens die Handlung vorhanden gewesen wäre. Nachdem ich im ersten Drittel des Romans gefühlt 500 Figuren kennen lernte, plätscherten die Beschreibungen und unangenehmen Situationen immer noch vor sich hin. Ich habe keinerlei Intention, diese Geschichte weiterzulesen, da bislang nichts passiert ist – also wirklich NICHTS.

Empfehlung? Auf keinen Fall, vor allem nicht für den stolzen Preis. Wer dennoch eine gute Rezension über das Buch lesen will, findet bei der Zeit eine.

Beautiful Liars – Verbotene Gefühle und Beautiful Liars – Gefährliche Sehnsucht von Katharine McGee: High School-Teenie-Dramen der Rich Kids im Jahr 2118 – wenn die Menschheit in volltechnisierten Türmen lebt und mithilfe von Kontaktlinsen kommuniziert.

Meinung? Nachdem ich im letzten Jahr fast nur verstaubte Klassiker und Sachbücher gelesen habe, musste mal wieder ein triviales Jugendbuch her. Ich mag High School-Inhalte, umso mehr hat es mich gefreut, dass das Setting in Beautiful Liars in der Zukunft spielt und mit der technischen Komponente mehr zu bieten hat als die übliche Liebesgeschichte. Die Kapitel sind abwechselnd aus den Sichtweisen mehrerer Jugendlicher geschrieben, was die Handlung flott und interessant macht.

Empfehlung? Ja, sobald euch die Lust auf ein typisches Jugendbuch packt.

Franzi: Die letzten Wochen waren voller Tops und Flops. So habe ich unter anderem den gehypten Bestseller „Der Wolkenatlas“ von David Mitchell abgebrochen (wie findet ihr ihn?) und konnte auch mit „Big Magic“ von Elizabeth Gilbert nicht allzu viel anfangen (über dieses Buch berichtete Iris in quermedia Januar). Es gab aber auch Highlights:

Der Vorleser von Bernhard Schlink: Der 15-jährige Schüler Michael lernt die ältere und geheimnisvolle Hanna kennen und lieben. Eines Tages verschwindet sie und Michael sieht sich mit ihrem dunklen Hintergrund konfrontiert, der bis in die Nazizeit zurückreicht.

Meinung? Die Geschichte startet mit einer harmlosen Lovestory und gipfelt in der Frage, wie jede(r) einzelne von uns mit Schuldgefühlen und der Erinnerungskultur zum Holocaust umgehen sollte. Da viele Handlungsmotive offen bleiben, war ich als Leser kognitiv gefesselt – emotional war ich dagegen kaum involviert, was vielleicht an den teils abstrakten Schachtelsatzpassagen und dem nüchternen Erzählstil liegt (der für das Thema aber sehr passend gewählt ist).

Empfehlung? Eine kurzweilige Schullektüre, die man gelesen haben sollte, denn sie regt zum Nachdenken an und passt auch zu aktuellen Diskussionen, zum Beispiel, ob der Besuch von Konzentrationslagern für SchülerInnen verpflichtend sein sollte.

Der Vorleser

The Book Of Lost Things von John Connolly: Der 12-jährige David flüchtet vor seinen Problemen in eine Fantasywelt, aus der es kein Zurück gibt. Auf einer turbulenten Reise und der Suche nach seiner verstorbenen Mutter lernt er Märchengestalten, Bestien und Könige kennen – und sich selbst. In meiner Special Edition finden sich im Anhang weitere Kurzgeschichten, Infos und ein Autoreninterview. Auf Deutsch ist das Werk übrigens unter dem Titel „Das Buch der verlorenen Dinge“ im List-Verlag erschienen.

Meinung? Die Heldenreise durch die Märchenwelt ist ein Lesevergnügen, bei dem es einem nicht langweilig wird. Die Hauptfigur ist an sich eher blass, durchläuft aber eine starke Entwicklung, die der Leser anhand wichtiger Botschaften über Verlust, Toleranz und Loyalität mitverfolgen kann. Bis auf die Auflösung am Ende sind die Ereignisse etwas linear aufgebaut, dafür wurden klassische Märchenfiguren kreativ in die Geschichte integriert.

Empfehlung? Connolly erfindet das Rad nicht neu, bietet aber eine kurzweilige Geschichte zum Genießen für Teenies, aber auch Erwachsene.

The book of lost things

Squids 2 – Der verborgene Feind von Leo Aldan: Der 17-jährige Sven beobachtet eine seltsame Erscheinung am Himmel, die auf den Planeten Nitsuaan niedergeht. Zusammen mit seinem Freund Miguel geht er dem Rätsel auf die Spur. Mit dabei: Shima, die Tochter der Obersten Administratorin, und Fanli vom Volk der tintenfischähnlichen Squids.

Meinung? Im Vergleich zu Band eins (den ihr zum Verständnis nicht gelesen haben müsst) konnte ich mich mit den neuen Figuren nicht so recht anfreunden. Auch verlief die Handlung teilweise linear und schablonenhaft. Abgesehen von diesen Kritikpunkten ist Leo Aldan aber erneut eine packende, unglaublich kreative, humorvolle und gesellschaftskritische Fortsetzung gelungen. Mehr Infos und Aspekte findet ihr in Iris‘ Rezension zu Squids 2.

Empfehlung? Wenn ihr Squids noch nicht kennt, würde ich auf jeden Fall zu Band eins raten! Band zwei empfehle ich Fans, die mehr aus der Squids-Welt lesen möchten und offen für neue Figuren sind.

Squids 2

Gesehene Serien

Iris: Irgendwie habe ich es geschafft, im März eine ganze Staffel einer Serie anzusehen:

You – Du wirst mich lieben (Netflix): Junge Möchtegern-Autorin wird von jungem Buchhändler gestalkt, der eine völlig verzerrte Wahrnehmung zwischenmenschlicher Beziehungen hat und für seine Auserwählte über Leichen geht.

Meinung? Die ersten drei Folgen beginnen sehr vielversprechend, aber dann stagniert die Geschichte leider bis kurz vor Schluss (zum Glück hat die 1. Staffel nur 10 Folgen). Wir sehen „You“ komplett aus der Perspektive des Stalkers, mit dem wir so ein bisschen sympathisieren, aber eigentlich wissen, dass er krank ist. So ganz geglückt ist dieser Balanceakt nicht, ich zum Beispiel fand das Anschauen deswegen irgendwann sehr unangenehm. Ob am Ende der Stalker oder das Opfer gewinnt? Ich wurde jedenfalls davon überrascht!

Empfehlung? Trotz einiger Längen in der Mitte der Staffel schaden die zehn Folgen nicht – Potenzial zur Begeisterung sehe ich allerdings nicht in der Serie.

Franzi: Ich habe Orange Is The New Black beendet und Marie Kondo auf Netflix entdeckt:

Orange Is The New Black Staffel 6: Piper und die anderen Insassinnen werden seit dem Gefängnisaufstand mit Einzelhaft und Verhören im Hochsicherheitstrakt konfrontiert, in dem die Wärter mehr Skrupellosigkeit beweisen als zuvor. Statt Rassetrennung heißt es jetzt C-Block gegen D-Block.

Meinung? Ein mutiger Schritt, in einer sechsten Staffel vom Schauplatz bis hin zum sozialen Gefüge so viel aufzumischen. Ich finde, diese Art von Neuerfindung der Serie ist gut gelungen, nur stellenweise wirkte sie etwas erzwungen, zum Beispiel fand ich mich in das neue Block-versus-Block-Gefüge nicht so recht ein. Bewegend fand ich den Kampf der Aufständischen um ihre Freiheit und Rechte. Außerdem gibt es wie immer witzige Alltagsstories, die zum einzigartigen Dramedy-Charakter der Serie beitragen.

Empfehlung? Ein kreatives, würdiges Finale, das nur stellenweise etwas ratlos inszeniert wirkt. Es kommt auf jeden Fall keine Langeweile auf!

Aufräumen mit Marie Kondo: Nachdem mich bereits das Buch „Magic Cleaning“ zum Teil inspiriert, zum Teil befremdet hat, war ich gespannt auf die Serie. Ich habe in mehrere Episoden reingeschaut, in der die Aufräumfee Marie Kondo jeweils einer Familie oder einem Paar dabei hilft, nach Kategorien und mithilfe von bestimmten Ritualen aufzuräumen.

Meinung? Während mir ihre Ratschläge im Buch etwas unpraktikabel erschienen, fand ich Kondo in der Serie sympathischer. Vor dem Hintergrund, dass sie selbst Familie hat und dort auch mal Unordnung und Chaosecken auftreten, wirken ihre Methoden glaubwürdig und für jeden zu schaffen. Gut fand ich auch, dass aussortierte Dinge gespendet werden und nicht (wie oft in ihrem Buch erwähnt) auf dem Müll landen. Zwar kann ich den spirituellen Ritualen nicht so viel abgewinnen, insgesamt fand ich die Folgen aber inspirierend für zwischendurch (ratet, wer daraufhin hochmotiviert sein Zimmer aufgeräumt hat).

Empfehlung? Auch wenn ihr vielleicht wie ich nicht jeden Aspekt der sogenannten „KonMari“-Methode für euch annehmen wollt, kann ich die Serie (oder das Buch) zur Inspiration empfehlen. Iris‘ Blogpost übers Aufräumen fasst das ganze Thema gut zusammen.

Geschaute Filme

Franzi: Ich kann euch diesmal einen Thriller empfehlen, wenn ihr ihn noch nicht kennt:

Gone Girl – Das perfekte Opfer: Amy Dunne (Oscar-Nominierte Rosamund Pike) verschwindet an ihrem Hochzeitstag und ihr Ehemann Nick (Ben Affleck) wird zum Hauptverdächtigen Nummer eins, denn in der Beziehung kriselt es schon länger. Aber Amy ist nicht die, die sie zu sein vorgibt.

Meinung? Ein über zweistündiger Thriller, der von Anfang bis Ende fesselt und das mit relativ wenig Action. Die Figuren sind so ambivalent gezeichnet, dass man mal auf der einen, mal auf der anderen Seite steht. Immer, wenn man denkt, man hat die Motive verstanden, passiert etwas wirklich Unerwartetes und das bis zur letzten Sekunde. Amys Ex Desi wird übrigens von Neil Patrick Harris gespielt und brilliert als ernste Figur, über die man Barney Stinson glatt vergisst.

Empfehlung? Wenn ihr mit einem frustrierenden Ende leben könnt, kann ich euch diese intelligente und spannende Buchverfilmung klar empfehlen.

Gehörte Lieder

Iris: Da habe ich über den Radiosender Rock Antenne das Lied Moonglow von Tobias Sammet’s Avantasia ft. Candice Night entdeckt – mystischer Rock!

Franzi: Rock Antenne sei Dank habe auch ich einen neuen beziehungsweise uralten Favoriten für mich entdeckt: Alive von P.O.D., ein motivierender Mix aus Rock und Hip Hop.

Gespielte Games & genutzte Apps

Iris: Ich bin in die Tiefen des Internetradios vorgestoßen und höre seit einigen Wochen über die App „audials“ dauerhaft den Sender Rock Antenne, der in meiner Region nur über DAB+ bzw. Internet zu empfangen ist. Natürlich vor allem was für Rock-Fans, aber es gibt ja unzählige Radiosender, die eure Vorlieben ansprechen!

audials
Sogar Rammstein wird auf Rock Antenne gespielt!

Franzi: Wenn ihr Bücher verkaufen möchtet, kann ich euch die momox-App ans Herz legen. Einfach die ISBN scannen, Paketschein ausdrucken (oder Paketboten zur Haustür bestellen) und Bücherkarton versenden – das ging echt leichter als gedacht. Habt ihr schon mal über momox Medien verkauft?

Momox

Genetzwerkter Content

Franzi: Ernährungsinfos in kleinen Häppchen gibt’s auf dem Instagram-Kanal Kalorienfakten. Dabei geht es nicht nur um pure Zahlen, sondern um Nährwerte und einen gesunden Lebensstil.

Kalorienfakten

Presseschau & Werbekosmos

Iris: Von Jan Fleischhauer kann man halten, was man mag – in seiner kürzlich veröffentlichten SPON-Kolumne „Das erste Buch Greta“ sinniert er über die fast ausschließlich positive Berichterstattung seitens der Medien über Greta Thunberg. Auch ich plädiere hier für mehr Objektivität, gute Sache und Schülerin hin oder her.

Franzi: Die Werbekampagnen von „Tier im Recht“ sind immer wieder aufs Neue kreativ. Die aktuellen Motive zeigen Tiere in BDSM-Aufmachung, um auszusagen, dass kein Tier Lust hat, gequält zu werden. Den sexuellen Kontext finde wahrscheinlich nicht nur ich befremdlich, auf jeden Fall erregt die Kampagne aber Aufmerksamkeit, was bei der eher unbekannten Stiftung für Tierrechte Sinn macht.

Geschriebene Blogposts

Franzi: Wenn ihr eine Reise nach Irland plant, kann ich euch meinen National Geographic Reiseführer empfehlen, den ich ausführlich rezensiert habe.

Das war’s mit unserer Medienlese im März! Habt ihr etwas davon auch gelesehen, gesehen oder gehört? Oder seid irgendwo ganz anderer Meinung? Oder habt einfach Lust, euren Senf abzugeben? Dann raus damit, wir freuen uns schon drauf!

Hier geht´s zu unserem letzten Rückblick quermedia Januar.

Übrigens dürft ihr diese Art des Rückblicks gerne kopieren, uns im Beitrag verlinken und selbst auf eurem Blog beantworten – wir sind gespannt!

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