Homeoffice: Fluch oder Segen?

Drei Jahre lang habe ich den Homeoffice-Spaß nun mitgemacht, ab nächster Woche ist Schluss damit: Ich werde wieder in einem waschechten Büro arbeiten. War das Homeoffice rückblickend Fluch oder Segen?

Eigentlich zählte ich mich bislang immer zu dem Typ Mensch, der gerne bequem von zu Hause aus arbeitet, sich selbst dabei sehr gut disziplinieren kann und dort bessere Ideen hervorbringt als in unter Druck setzenden Büromeetings (offene Brainstormings sind der persönliche Alptraum für meine Kreativität). Dennoch kann ich es nicht abwarten, Arbeit und Freizeit wieder räumlich und somit auch geistig voneinander zu trennen. Da sich meine Meinung erst im Laufe der Jahre wandelte und bekanntlich alles, sogar Schokolade, seine guten und schlechten Seiten hat, eine Gegenüberstellung, wie ich diese ganze Homeoffice-Zeit erlebt habe.

Start in den Tag – oder auch nicht

Ich musste nicht außer Haus, der Tag ließ sich viel entspannter starten.

versus

Ich konnte nicht außer Haus und das Bett ist am Morgen nun mal ein behaglicherer Ort als der Schreibtisch … Der Tag startete gerade im letzten halben Jahr oft zu entspannt bis gar nicht („Mache ich morgen!“).

Esskalation in der „Tee“küche

Ich konnte es mir bequem einrichten und den ganzen Tag so viel essen und Kaffee trinken wie ich wollte.

versus

Ich litt häufig an Lagerkoller (war ja nicht so, als hätte ich einen eigenen Raum zum Arbeiten eingerichtet, nein, ich schlief, aß, las und lernte am selben Platz) und entwickelte eine Kaffeesucht, die meinen Körper übersäuerte.

Feierabend, wo bist du?

Ich konnte mir die Arbeit zum Glück so einteilen, dass sie perfekt in meinen Tagesrhythmus und Stundenplan passte.

versus

Ich saß an vollgestopften Tagen häufig bis spätnachts am Schreibtisch und war generell zu jeder Zeit abrufbereit, weshalb ich nie, nie, nie zur Ruhe kam.

Hallo, Wochenende?

Ich konnte liegengebliebene Arbeit einfach am Wochenende nachholen und so Uni und Job unter einen Hut bringen.

versus

Ich hatte drei Jahre lang keine freien Wochenenden. Drei. Ganze. Jahre. Wobei ich das noch toppen kann, als mir im Jahr 2018 erstmals auffiel, dass ich seit 2015 keinen Urlaub gemacht habe, nicht mal eine Woche lang zuhause abschalten.

Ich wollt‘ noch Danke sagen

Wie ihr herauslesen könnt, bin ich des Homeoffice‘ wirklich überdrüssig. Nach all der negativen Sichtweise muss ich jedoch noch sagen, dass ich wirklich dankbar war, diese Möglichkeit des Arbeitens während meines gesamten Studiums nutzen zu können. Ich konnte daheim viel effizienter arbeiten, weil ich immer möglichst schnell fertig werden wollte, statt einen Achtstundentag ausfüllen zu müssen, was absolut entgegen der Annahme steht, dass Mitarbeitende in Homeoffice vermehrt faulenzen.

Mir wurde das technische Equipment zur Verfügung gestellt und die KollegInnen haben stets Rücksicht auf mich genommen, wobei ich ja in meiner Leistung eine Steigerung feststellen konnte, zu der es im Büro nicht gekommen wäre, somit war die körperliche Abwesenheit keine große Sache und schon gar kein Hinderungsgrund für irgendetwas.

homeoffice fluch oder segen_

Aber nun freue ich mich, jeden Tag wieder einen strukturierten Ablauf zu haben, der es mir außerdem erlaubt, die Arbeit an einem bestimmten Ort zu lassen und nicht mit nach Hause zu nehmen. Nie wieder Lagerkoller, nie wieder stundenlange „Päuschen“ im angrenzenden Bett, nie wieder Notfälle, während ich gerade in der Uni sitze oder eigentlich frei habe. Weiterhin freue ich mich auf nette KollegInnen, ein motivierendes Umfeld und dass meine Gedanken am Feierabend und Wochenende mir gehören.

Homeoffice, du warst schön und toll, aber öfter als einmal pro Woche bräuchte ich dich nicht mehr.

Habt ihr Erfahrungen im Homeoffice gemacht und wenn ja, wie ist es euch ergangen?

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