quermedia Dezember

Bücher, Serien, Filme, Musik, soziale Netzwerke, Blogs – Herzlich Willkommen in der Welt der Medien. Oder im Konsumrausch. In einer Welt, in der Anbieter sich um unsere begrenzte Aufmerksamkeit streiten, verliert man schnell den Überblick. Wir auch. Deswegen, und weil unsere „Quer durch“-Monatsrückblicke längenmäßig ausufern, haben wir uns eine zusätzliche Form des Zurückblickens überlegt, der sich ganz auf unseren medialen Konsum bezieht und euch hoffentlich mit nützlichen Rezensionen und Anregungen versorgt. Wir freuen uns über eure Meinungen und die ein oder andere Diskussion!

Gelesene Bücher

Iris: Bei mir standen im Dezember rein unterhaltende (und offenbar blaue!) Fantasy- und Jugendbücher auf dem Plan, die alle außerhalb meines SUBs den Weg zu mir fanden. Ups?

Dark Destiny von Jennifer Benkau: Menschenmädchen Joy glaubt, ihr Percent-Liebhaber Neél sei gestorben und irrt durch Clangebiete, Städte und Aufstände, bis sie ihn dennoch findet. Während sie ereignislos nebeinanderher leben, greifen die Rebellen die Stadt an – gelingt eine Flucht? Wird es ein Happy End geben?

Meinung? Ich hätte definitiv nicht erwartet, dass der zweite Band derart langatmig vom Alltag eines Paares in einer dystopischen, tristen, ungerechten Zukunft erzählt. Weshalb ich beim Lesen durchweg ein bedrückendes Gefühl verspürt habe und am Ende gar nicht mehr zum Buch greifen mochte. Die Emotionen kommen auf jeden Fall gut rüber, das muss ich echt anerkennen! Glück sucht man in diesem Zweiteiler von Benkau erfolglos, selbst zwischenmenschliche Szenen sind fast durchweg von negativen Gedanken durchzogen, was die Autorin konsequent durchzieht und nicht im Happy End münden lässt – erfrischend!

Empfehlung? Wem Band 1 gefallen hat, wird auf die Entwicklungen in Band 2 hinfiebern und kann – mit einer Extraportion guter Laune vielleicht – bedenkenlos zu diesem düsteren Buch greifen.

Die Geschichte des Neuzeitmagiers von Marlene von Hagen: Samuel, ein einsamkeitsliebender Magier, wird gegen seinen Willen dazu abberufen, mit weiteren Gefährten die berühmte Magierin Leyna auf einer Reise zu begleiten, die das Ziel hat, einen ihr zuvor gestohlenen Schatz zurückzuholen. Langsam, aber sicher verliebt er sich in Leyna, deren Verlobter Khun jedoch auch der Reisetruppe angehört …

Meinung? Der Schreibstil der Autorin gefällt mir nach wie vor sehr (hier und hier habe ich schon andere Bücher von ihr rezensiert). In dieser Geschichte passieren viele ausgeklammerte Abenteuer auf der Fantasyreise, die ich als handlungsverzögernd empfand. Die Emotionen waren, wie immer, einfühlsam konstruiert und beschrieben, allerdings mit zu vielen Andeutungen für meinen Geschmack, die die Figuren einfach nicht kapieren wollen. Die Spannung wird fast durchweg hochgehalten, da kaum etwas über das Ziel der Reise verraten wird – so endet das Buch auch relativ offen. Mir persönlich waren es zu wenige Hintergrundinfos über die Welt und den Zweck der Handlung.

Empfehlung? Ja, wenn man ein nettes (und günstiges!) Lesevergnügen für zwischendurch sucht und mit den Handlungsgeheimnissen kein Problem hat.

Thalamus von Ursula Poznanski: Der Jugendliche Timo erleidet einen schweren Unfall, wird am Kopf operiert und verbringt einige Zeit im Markwaldhof, um das Gehen und Sprechen wieder neu zu lernen. Warum hört er allerdings fremde Stimmen im Kopf und ist nachts komplett gesund?

Meinung? Ein ordentlich erzähltes Jugendbuch von Ursula Poznanski, deren klare, fesselnde Sprache Spaß am Lesen bereiten. Obwohl ich kein Fan von Klinik-Kulissen bin, hat mir das Setting gut gefallen. Auch die Figuren hatten alle etwas Liebenswürdiges. Gegen Ende nimmt das Buch ordentlich an Fahrt auf und macht das Weglegen wirklich schwer.

Empfehlung? Ja, wenn man Jugendbücher mag.

Franzi: In diesem Monat bin ich wegen einiger Wochenendbesuche nicht so viel zum Lesen gekommen – ein mittelmäßiger Irlandroman sowie ein Klassiker waren aber drin.

McCarthy´s Bar von Pete McCarthy: Pete McCarthy, halb Engländer, halb Ire, unternimmt auf den Spuren seiner irischen Vorfahren eine Reise von Cork bis Donegal, und kehrt in jeden der vielen Pubs ein, der McCarthy heißt. Er trifft auf verschiedenste Menschen, lernt Natur und Kultur besser kennen und begibt sich sogar auf einen dreitägigen Pilgerweg.

Meinung? Was völlig fehlt, ist ein roter Faden. McCarthys Suche nach seiner wahren Nationalität bleibt schwammig und nebensächlich. Stattdessen gönnt er sich täglich Pubs und Restaurants und lässt seine Gedanken einzig um Essen, Saufen, Schlafen und andere Leute (die meistens sarkastisch-missbilligend ihr Fett wegkriegen) kreisen. Tiefgang? Fast null Prozent. Persönliche Weiterentwicklung? Fehlanzeige. Ich habe irgendwann nur noch die Infos zu den verschiedenen Orten durchgelesen und die 35680. Schilderung seines nicht-irischen Mittagessens einfach übersprungen.

Empfehlung? Nur bedingt. Für Irlandfans eine ganz nette Aneinanderreihung von witzigen Anekdoten über Land und Leute, allerdings keinesfalls als Roman mit Tiefgang geeignet. Der Autor hätte seine Reise stattdessen zu einer heiteren Kolumne verarbeiten können.

A Christmas Carol von Charles Dickens: Wer kennt nicht die berühmte Weihnachtsgeschichte mit dem geizigen, einsamen und bösartigen Mr. Scrooge? Ihm begegnen in der Heiligen Nacht drei Geister, die aus ihm einen neuen Menschen machen.

Meinung? Als großer Fan des alten Disney-Filmes (Version 1997, nicht 2009) habe ich nun endlich den bebilderten Roman gelesen und war erstaunt, wie eng sich der Film ans Buch hält. Fast alle Zitate waren mir bekannt.

Empfehlung? Auf jeden Fall! Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte zum Genießen und Besinnen (Lebkuchen und Tee dazu nicht vergessen!).

Gesehene Serien

Iris: Ich hatte im November schon mit Outlander begonnen und die Serie mittlerweile nach sechs Folgen abgebrochen, da mir die Handlung zu langwierig aufgebaut und die Dialoge zu plump erschienen. Der Klassiker ist immer: Figur A tut etwas, die Zuschauer sehen dies, und Figur B muss nochmal klarstellen, was genau Figur A da gerade tut. Uff. Die Serie ist in meinen Augen nicht schlecht, aber wer Produktionen wie Breaking Bad und House of Cards gewohnt ist, wird bei Outlander vermutlich nicht viel Unterhaltung verspüren.

Franzi: Ich habe meinen aktuellen Favoriten weiterverfolgt:

Orange Is The New Black Staffel 3: Die Hauptfigur Piper Chapman rückt in den Hintergrund, während andere Figuren den Gefängnisaufenthalt mit immer neuen Hintergründen, Skandalen und Romanzen aufmischen.

Meinung? Eine mutige Entscheidung, sich von der Protagonistin Piper zu lösen, aber auch notwendig, denn sie wurde erst blass, dann unsympathisch. Umso besser, dass die Geschichten der anderen Insassinnen mehr nach vorne rücken. Die Charaktere werden konsequent weiterentwickelt und auch in dieser Staffel werden typische Missstände im Gefängnis (diesmal durch Privatisierung) angeprangert. Weiterhin ein Vergnügen!

Empfehlung? Die Staffel erfindet das Rad nicht neu, bietet Fans aber weiterhin Dramedy-Genuss zum Wohlfühlen.

Geschaute Filme

Iris: Ich habe nur einen Film gesehen, der euch vielleicht interessieren könnte.

Passengers (2016): Jim (Chris Pratt) erwacht aus dem Hyperschlaf in einem Raumschiff, das sich mit 5.000 schlafenden Menschen auf dem Weg zu einem anderen Planeten befindet. Leider hatte seine Schlafkammer einen technischen Defekt, weswegen er noch 90 Jahre vor sich hat, bevor das Schiff dort landet, und weil er der einzige Mensch ist, der zu diesem Zeitpunkt bei Bewusstsein ist, weckt er Aurora (Jennifer Lawrence). Es folgen technische und zwischenmenschliche Probleme.

Meinung? Ich tippte zunächst auf ein Sci-Fi-Abenteuer, war jedoch positiv überrascht, dass relativ viel Humor und Zwischenmenschliches mitschwang. Als negativ empfand ich die obligatorischen Actionszenen, die Jennifer Lawrence auf den Leib geschneidert wurden – ich finde übrigens, dass ihr Können überschätzt wird. Ihre Palette an Gesichtsausdrücken ist für mich nicht sehr vielfältig und die kreischenden Kämpfe brauche ich auch nicht ständig zu sehen. Toll fand ich wiederum das technisch hochentwickelte Setting.

Empfehlung? Ja, aufgrund der Idee und des Humors.

Franzi: Zur Adventszeit gönnte ich mir einige Klassiker wie „Eine Weihnachtsgeschichte“ (Inhalt siehe bei gelesene Bücher) und Kevin allein zu Haus, die ihr sicherlich selbst zur Genüge kennt. Ansonsten habe ich ein Interview mit dem Hundeprofi Martin Rütter angesehen.

Interview mit Martin Rütter: Wer nicht zufällig am 10.12. bei „DAS!“ auf NDR vorbeigeschaut hat, kann das Interview mit dem Hundeprofi auf YouTube nachverfolgen. Es ging unter anderem um klassische Missverständnisse, Tieradoptionen aus dem Ausland und George Bush´ trauernden Vierbeiner.

Meinung? Martin Rütter versteht das Prinzip von Infotainment. Auch wenn ich seine Witze nicht zum Brüllen finde, könnte ich stundenlang seinen unterhaltsamen Anekdoten und wertvollen Infos rund um den besten Freund des Menschen lauschen.

Empfehlung? Für Hunde- und Rütterfans gleichermaßen eine unterhaltsame Portion Wissen für zwischendurch.

Gehörte Lieder

Iris: Ich bin wie immer Monate zu spät dran (kommt davon, wenn man jahrelang keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und keine privaten Radiosender im Auto verfolgen muss) und hatte deswegen Anfang Dezember erstmals den äußerst fiesen (Sommer-)Ohrwurm von Cordula Grün.

Franzi: Peinlich, aber wahr: Der Weihnachtsklassiker Last Christmas ging mir dieses Jahr endgültig nicht mehr aus dem Ohr. Einerseits nervig, andererseits auch ein Stückchen Heimat, egal in welchem Jahr an welchem Ort er aus den Radios (oder YouTube) dudelt. Wie steht ihr zu dem polarisierenden Song?

Gespielte Games & genutzte Apps

Iris: Die App Angry Birds 2 hat mir einiges an Zeit gestohlen und gleichzeitig die ein oder andere schlaflose Nacht mit Ablenkung gefüllt. Sobald ich die App gestartet habe, kann ich nicht mehr aufhören, bis alle Leben verspielt sind. Ergeht es euch da auch so? Hilfe.

Franzi: Ich habe auf meinem Handy die vorinstallierte App „Disney Kingdoms“ entdeckt – mein neues Guilty Pleasure! Es geht darum, einen Disney-Park zu bauen, Disney-Charaktere zu sammeln, Bösewichte zu bekämpfen und Aufgaben zu lösen. Für gelöste Quests und gebaute Gebäude erhält man wiederum Magie und Level-ups, um weitere Figuren und Gebäude freizuschalten. Das Spiel erinnert an alte Zoo Tycoon-Versionen und hat auf jeden Fall Suchtpotential.

quermedia Dezember 2018

Genetzwerkter Content

Iris: Ich finde den Twitteraccount von Autor Paulo Coelho sehr inspirierend. Vor allem dieser Tweet hat mir letzten Monat zu mehr Motivation verholfen:

Franzi: Das Tierheim in Dublin DSPCA (The Dublin Society for Prevention of Cruelty to Animals) leistet nicht nur vor Ort einen großen Beitrag zum Tierschutz (ich habe das Tierheim bereits besucht), sondern auch auf Instagram. Dieses Bild steht beispielhaft dafür, wie sehr der Fokus auf der individuellen Beschäftigung mit den Tieren steht. Bei vielen Tierheimen nicht selbstverständlich und daher besonders löblich!

quermedia Dezember 2018

Presseschau & Werbekosmos

Iris: Genau vor einer Woche ist bekannt gegeben worden, dass der Journalist Claas Relotius jahrelang und systematisch seine Reportagen gefälscht hat. Er schrieb für mehrere (internationale) Medien und hierzulande vermehrt für den Spiegel, hat etliche Journalistenpreise eingeheimst. Vielleicht habt ihr mal einen seiner Artikel gelesen und die Geschichte in Erinnerung behalten? Hier könnt ihr die Rekonstruktion seines Betrugs, die einer Stellungnahme seines Arbeitgebers Spiegel nahekommt, nachlesen. Darin stört mich allerdings das knappe „Es tut uns leid“ und das ausführliche „Aber wir können auch nicht viel dafür!“. Dass ein bisschen mehr Demut angebracht wäre, hat das Medium schnell kapiert: Am Tag darauf entschuldigte sich die Chefredaktion nochmals angemessener.

Franzi: Alle Jahre wieder müssen Werbespots zu Weihnachten idealerweise kreativ und neuartig sein. In diesem Artikel des Marketingmagazins Horizont findet ihr einen guten Überblick, wie die großen Marken sich geschlagen haben. Auch wenn in den Vorjahren einige gute Beispiele dabei waren, bin ich erleichtert, dass der Trend des „Sadvertisings“ nun endlich ausgedient hat und weniger Agenturen das Gefühl haben, bei der schnulzigen Inszenierung weihnachtlicher Sentimentalität mitziehen zu müssen. Stattdessen setzen unterhaltsame Spots wie der von Edeka frische Akzente.

Geliebte Blogposts

Iris: Ich habe ein paar Buchinspirationen aus dem Post Meine Weihnachtsgeschenketipps: Bücher für vielseitig Interessierte auf dem Blog Lesen … in vollen Zügen mitgenommen.

Franzi: Mir gefiel die detailverliebte, teilweise abstrakte Fotogalerie auf dem Blog von Katharina Rebecca Hake.

Geschriebene Blogposts

Iris: Ich habe über meine teils unverschämten Erlebnisse bei der Wohnungssuche berichtet und ein Fazit zu meiner diesjährigen Blogreihe Sich selbst neu erfinden gezogen.

Franzi: Leider kam ich in der Adventszeit nicht zum Schreiben. Sobald der neue Input im Ausland aber abgeschlossen ist, kommt sicherlich wieder mehr von mir!

Das war’s mit unserer Medienlese im Dezember! Habt ihr etwas davon auch gelesehen, gesehen oder gehört? Oder seid irgendwo ganz anderer Meinung? Oder habt einfach Lust, euren Senf abzugeben? Dann raus damit, wir freuen uns schon drauf!

Hier geht´s zu unserem letzten Rückblick quermedia November.

Übrigens dürft ihr diese Art des Rückblicks gerne kopieren, uns im Beitrag verlinken und selbst auf eurem Blog beantworten – wir sind gespannt!

3 thoughts on “quermedia Dezember

Kommentar verfassen