Wohnungssuche und Makler-Storys

Die Immobilienbranche war für mich bislang unbekanntes Terrain, da ich damals von meinem Elternhaus in ein staatlich gefördertes Studentenwohnheim gezogen bin, bei dem die Zimmer ohne Besichtigungstermin, ohne alles, direkt vergeben werden. Da ich nach dem Studium 300 Kilometer von meinem jetzigen Wohnort entfernt einen Job antreten werde, war guter Rat (und Wohnplatz) teuer.

Ich will euch gar nichts vormachen, ich ziehe weder nach München, noch kommen krasse WG-Casting-Geschichten. Aber was ich, meiner Ansicht nach gutbürgerlich, vertrauenswürdig und flexibel, erlebt habe, war für mein sensibles Seelchen doch nicht ganz einfach wegzustecken.

Ausgangssituation

Gesucht habe ich bis zu einem Budget von 400 € Warmmiete. Da die künftige Heimat nicht besonders groß oder hochfrequentiert ist, bekommt man dafür Einzimmerwohnungen mit 21-28 Quadratmetern inklusive Einbauküche, Balkon, Garage und/oder Gartenmitbenutzung. Die Möglichkeit, innerhalb meines Zuhauses an die frische Luft zu gelangen, war mir sehr wichtig, ansonsten wollte ich eigentlich nur Teppichböden und große Entfernungen bis zum Arbeitsort vermeiden.

Besichtigung 1: Teppichboden!

Eine kleine Einzimmerwohnung in einem von hauptsächlich Studierenden bewohnten Haus, die all meine Kriterien erfüllte, wurde von einem Immobilienbüro betreut. Der Makler fragte beim persönlichen Treffen zuerst ziemlich unwirsch nach meinem Arbeitsvertrag und behauptete, dass noch ein anderer Interessent dazustoßen würde, was nie geschehen ist und die ganze Zeit über auch nicht mehr erwähnt wurde. Sehr komisch. Als ich die Wohnung betrat, der erste Schock: komplett mit Teppichboden ausgelegt. „Ups, da hatte ich wohl die falschen Fotos in die Anzeige gestellt.“ Ja, UPS, denn dafür habe ich insgesamt 60 € Bahnticket und zehn Stunden Fahrt auf mich genommen.

Aus unnötiger Verzweiflung heraus sagte ich ihm dennoch zu, er gab meine Daten an den Vermieter weiter. Dieser rief mich kurz darauf an und stellte mir unverschämte Fragen: „Was ist denn mit ihrem Studium? Haben Sie das abgebrochen oder was?“ – „Nein, das beende ich gerade und beginne dann im neuen Job.“ – (hämischer Tonfall) „Und was sind Sie mit einem Studium dann überhaupt? Was soll ein Bachelor sein? Wo ist der Arbeitsvertrag???“. Ich habe dieser Person ziemlich zügig abgesagt, da ich es nicht nötig habe, mich wie eine arbeitsverweigernde Schwerverbrecherin bzw. Studienabbrecherin ohne Abschluss (selbst wenn – na und?!) behandeln zu lassen, vor allem, da ich im Gegensatz zu den anderen, studierenden Mietern, sowohl im Moment als auch danach, ein festes Einkommen habe? Unglaublich.

Besichtigung 2: Schimmel all over

In derselben Woche fand ich noch eine andere, vielversprechende Wohnung. Ich wartete vor der Haustür, der Makler kam und kam nicht. Derweil lernte ich den Hausmeister der Anlage kennen, der mir verriet, dass die Wohnung schon drei Monate lang leer stünde. Das ist kein gutes Zeichen. Der Makler tauchte letztendlich doch noch auf und meinte, dass der letzte Mieter gerade eben erst ausgezogen wäre. Wer von beiden spricht die Wahrheit? Letztendlich stellte sich heraus, dass die Wohnung einen Wasserschaden hatte und die Wände in allen Ecken schwarz geschimmelt waren. Seine Antwort? „Da könnte man sich drauf einigen, das zu überstreichen.“ Alles klar, ciao! Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich anschließend heulend in der Regionalbahn saß und meine mittlerweile 120 € und 20 Stunden Fahrt bedauerte und schon überhaupt keine Lust mehr auf diesen neuen Lebensabschnitt verspürte.

Wohnungssuche und Mieter-Storys
Außen hui, innen pfui: So sah die Schimmelwohnung mit Balkon auch aus.

Daten her, oder es knallt!

Zwischen diesen ganzen Vorfällen darf nicht vergessen werden, dass unzählige Anfragen unbeantwortet bleiben, Absagen („oh, ich habe die Anzeige noch nicht rausgenommen“) hereinrieseln und man selbst zum gläsernen Menschen wird. Da musste ich plötzlich eine Mieterselbstauskunft an eine wildfremde Emailadresse senden; noch bevor ich in meiner alten Firma gekündigt hatte, herumposaunen, wo und als was ich arbeiten werde und sämtliche Einwohner dieser Stadt überzeugen, dass ich keine Betrügerin bin. Davon abgesehen weiß nun gefühlt die halbe Stadt, was ich künftig verdienen werde. Um Nerven und Konto zu schonen, habe ich zwischendurch sogar andere Leute, die in der Nähe wohnen, zu Besichtigungsterminen für mich geschickt.

Besichtigung 3: Traumwohnung

Letztendlich habe ich eine komplett eingerichtete, renovierte und moderne Zweizimmerwohnung mit Gartenanteil weit unter meinem Budget gefunden, die zwar etwas außerhalb liegt, mir aber finanziell noch Raum für ein Auto lässt, was in einer infrastrukturschwachen Region unerlässlich ist (dort gibt es keine Bahnen oder flächendeckenden, regelmäßigen Busverbindungen, die man nutzen könnte). Ein wohliges Zuhause ohne Lärm und fremde Mitbewohner, in das ich gerne zurückkomme, ist mir persönlich extrem wichtig.

Das habe ich nun gefunden und finde es gleichzeitig surreal, dass sich mein Lebensstandard von „Fußgängerin im Studentenwohnheim“ zu „Autofahrerin mit geräumiger Wohnung“ wandeln wird. Auf jeden Fall weiß ich, dass mir die Veränderungen guttun werden und freue mich sowohl auf den Umzug Anfang nächsten Jahres als auch, dass es trotz aller unangenehmen Aspekte ja doch halbwegs zügig mit der Wohnungssuche geklappt hat.

Hattet ihr auch schon einmal unverschämte oder kuriose Erlebnisse bei der Wohnungssuche? Wo bzw. wie würdet ihr gerne mal wohnen?

2 thoughts on “Wohnungssuche und Makler-Storys

  1. Hallo!
    Deine Marklergeschichten sind traurig und lustig zugleich. Wenn man sie so liest, dann kann man echt darüber lachen, jedoch möchte man sicher heulen, wenn sie einem selbst passieren. Wenigstens hast du jetzt deine Traumwohnung gefunden! Ich hoffe es wohnt sich gut darin :).
    Liebe Grüße,
    Sarah

    1. Hi Sarah!

      Danke für dein Mitgefühl 🙂 Das stimmt, mittlerweile kann ich das alles mit Humor nehmen, aber zwischenzeitlich war ich echt verzweifelt.

      Liebe Grüße, hoffe, dir geht es gut!

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