Kinorezension „A Star is Born“

Lady Gaga als Schauspielerin, Bradley Cooper als Sänger und eine berührende Liebesgeschichte: Das sind die Zutaten des neuen Kinofilms „A Star Is Born“. Meine Kollegin hat mich als eher mäßigen Schnulzenfan prompt ins Kino hier in Dublin mitgeschleppt – und ich war positiv überrascht! Inwiefern? Zeit für eine kleine Rezension, garantiert ohne Spoiler! 🙂

Handlung

Worum sich die Romanze dreht, ist schnell erzählt. Rockstar Jackson trifft arme Kellnerin Ally, die in einer Bar auftritt. Sie verlieben sich, Ally wird berühmt, Jackson bekommt Probleme. Wie werden ihre Karriere und Beziehung wohl enden?

So dachte ich darüber: Die Story – übrigens ein Remake des Originals von 1937 –  ist für mich sehr vorhersehbar. Außerdem liegt der Fokus sehr stark auf der Liebesbeziehung zwischen Ally (Lady Gaga) und Jackson (Bradley Cooper), wodurch die Themen Songwriting und Musikbusiness etwas in den Hintergrund geraten. Positiv überraschen die authentischen Dialoge ohne ausgeleierten Kitsch. Mir gefällt, dass der Film mit einer sympathischen Portion Selbstironie typische Romantikszenen auf die Schippe nimmt. Aus feministischer Sicht finde ich nebenbei bemerkt bedenklich, dass der weiblichen Rolle wie so oft etwas Objekthaftes zuteil wird: Die Frau wird vom starken Mann auf die Karriereleiter geholt und ist dann natürlich auch noch die fürsorgliche Kümmerin, wenn er sie durch seine Probleme tief verletzt. Schade, dass die Rolle der Ally trotz durchaus emanzipierter Dialoge und Szenen dennoch nicht ganz aus dem typischen Hollywood-Rollenbild herauskommt. Fällt euch das auch bei so vielen Filmen auf?

Figuren, Stil und Musik

Das Herz des Filmes machen die Soundtracks mit Lady Gaga und Bradley Cooper aus – der Song „Shallow“ hat echtes Ohrwurmpotential. Cooper ist neben seiner Rolle als Rockstar Jackson, für die er laut mehrerer Quellen sogar Gesangsunterricht nahm, übrigens auch der Regisseur des Films.

So dachte ich darüber: Wer Lady Gaga noch als verrückte Trulla im Fleischkostüm in Erinnerung hat, wird sie in „A Star Is Born“ kaum wiedererkennen. In der Rolle der etwas naiven, mutigen und sensiblen Ally brilliert sie mit einer beeindruckenden Facette an Emotionen und ihrer Wahnsinnsstimme (ja, ich bin bekennender Lady Gaga-Fan 🙂 ). Dagegen empfand ich Bradley Cooper mit eher überschaubarer Mimik-Bandbreite geradezu als blass. Ästhetisch fand ich auch den Stil, der von gedeckten Farben und dem Spiel aus Licht und Schatten lebte. So gab es beispielsweise eine Szene, in der Jackson Allys Background-Tänzerinnen lediglich als Schemen hinter Glas betrachtet, was seine Haltung gegenüber der oberflächlichen Musikindustrie unterstreicht.

Fazit

Wer auf eine innovative Story oder das Musikbusiness als Kernthema hofft, könnte enttäuscht sein, denn die Romanze ist relativ vorhersehbar. Für alle, die gerne die Taschentücher zücken, Lady Gaga noch aus alten Zeiten hypen oder sich einfach mit schöner Musik berieseln lassen möchten, ist der Film aber durchaus sehenswert!

 

2 thoughts on “Kinorezension „A Star is Born“

  1. Hallo Franzi!
    Ich habe den Film auch erst im Kino gesehen und war ebenfalls überrascht von der Qualität! Im Vergleich zu dir fand ich Lady Gaga in der Rolle der Ally jedoch leider nicht überzeugend genug, da man leider merkte, dass sie eher Sängerin als Schauspielerin ist (und diesen Beruf nicht professionell erlernt hat). Die Story hingegen war besser als erwartet und wie du schon sagst, gar nicht so extrem kitschig :).

    Achja und mein letzter Kritikpunkt: Die Szene am Anfang, wo Ally ganz spontan „Shallow“ auf der riesigen Bühne singt, fand ich etwas zu sehr gestellt… Ich möchte sehen wie jemand ohne Proben und ohne diesem Inear-Stöpsel gleich so eine Performance liefert!

  2. Hallo Sarah,

    schön, von dir zu hören! Ich mochte Lady Gaga als Schauspielerin schon in der fünften Staffel von „American Horror Story“, hast du sie dort mal gesehen bzw. war dein Eindruck von ihr der gleiche? Ich finde ihre Bandbreite an Emotionen und ihr typisches Temperament beeindruckend, aber das ist natürlich Ansichtssache. Wie gesagt konnte mich dagegen Bradley Cooper überhaupt nicht überzeugen.
    Gute Anmerkung auch zu der unrealistischen Szene, das wäre mir als eher unmusikalischem Menschen gar nicht aufgefallen. 😀 Danke für deine differenzierte Kritik!

    Liebe Grüße,
    Franzi

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