Das ist nicht meine Rolle!

In der Gegenwart mancher Menschen fühle ich mich immer unwohl, kennt ihr das auch? Sie besitzen eine gewisse Ausstrahlung oder legen Verhaltensweisen an den Tag, bei denen wir entweder selbst automatisch in eine bestimmte Rolle schlüpfen oder uns von ihnen in eine drängen lassen. Und diese entspricht in den seltensten Fällen unserem Naturell.

Ob Freunde, Kollegen oder Eltern – mit der Authentizität ist es im Beisammensein mit diesen Personen weit her. Vier Beispiele, die euch vielleicht bekannt vorkommen:

Freund: Bei einem gewissen Freund werde ich immer automatisch zum hilflosen Deppen. Da er wenig sagt und ich keine Gedanken lesen kann, muss ich öfter nachfragen, woraufhin ich belehrend-genervte Antworten erhalte. Aus meiner unsicheren Deppen-Rolle komme ich bei ihm einfach nicht heraus, weshalb ich weitere Treffen mit ihm langsam, aber sicher vermeide …

Schule/Uni: Wenig Lust auf oberflächlichen Small Talk, Vorkenntnisse aus der Berufsausbildung und pragmatisches Lernen: Schwupps, ist man ein schüchterner Streber in der Ecke. Weil mir die anonymen Kurse in der Uni relativ egal sind, habe ich mich auch selten aus der Rolle herausbequemt, fühlte mich allerdings ganz wohl darin, obwohl sie nicht unbedingt der Wahrheit entsprach. Nicht selten hörte ich nach dem Öffnen jedoch ein „Was? Das hätte ich von dir jetzt nicht erwartet!“ Hallo, Vorurteile!

Alltag: Wie ihr vielleicht schon wisst, kommen Franzi und ich aus Oberfranken, einem Regierungsbezirk im nördlichen Bayern. Hier und da rutscht mir natürlich ein Dialektwort raus und so ganz verstecken kann und ich will ich meine Mundart gar nicht. Dabei komme ich mir jedoch oft wie ein Hinterwäldler vor und bilde mir ein, die anderen stecken mich in ebendiese Schublade – eine selbstgemachte Spirale, denn ich projiziere meine Gedanken in die Köpfe der anderen und verhalte mich dementsprechend.

Eltern: Beim Besuch der Eltern werden die meisten automatisch wieder zu deren Kind – klar, das lässt sich biologisch und sozial nicht von der Hand weisen. Aber, wer Kind bleibt, kann kein selbstbewusster Erwachsener werden. Mir gelingt es mittlerweile sehr gut, mich von dieser Rolle zu befreien und mit jeglichen Eltern (nahezu) auf Augenhöhe zu leben. Wenn Mutti euch mal wieder verwöhnen oder zu etwas bewegen möchte – raus aus der Komfortzone und selbstständig bleiben!

Ich bleibe ich

Was gegen unliebsame Rollen hilft: Besinnt euch auf die eigenen Stärken, versucht, authentisch zu bleiben und nicht mit Gefühlen auf emotionale Sticheleien zu reagieren. Manchen hilft es auch, sich Glaubenssätze aufzuschreiben oder laut vorzusagen, im Fall meines Freundes wäre dies zum Beispiel „Ich bin eine selbstbewusste Frau!“.

Im Optimalfall habt ihr Freunde, bei denen ihr euch rundum wohlfühlen und ausleben könnt. Klar, geht nicht alles mit jedem. Mit der einen Person kann man besser über oberflächliche Partys quatschen, mit der anderen nur Sport treiben. Das ist okay, denn so könnt ihr eure Erwartungen an die Freundschaft anpassen und seid hinterher nicht enttäuscht.

Das ist nicht meine Rolle!
Fotos: unsplash

Freunde oder Bekannte?

Ich habe für mich auch festgestellt, dass manche Freundschaften lieber zu Bekanntschaften herabgestuft werden sollten, da auch nach einem Gespräch kein gemeinsamer Konsens in der Rollenverteilung mehr gefunden werden kann. Oder, weil ich mich selbst nicht aus meiner Rolle befreien kann. Oder, weil ich im Laufe der Zeit einfach aus der Rolle herausgewachsen bin.

Dennoch gibt es Hoffnung für Freundschaften, an denen ihr vielleicht gerade zweifelt. Denkt mal drüber nach: Warum genau fühlt ihr euch in eine bestimmte Rolle gedrängt? Ist es vielleicht, weil ihr eure Gedanken in den Kopf des Gegenübers projiziert, wovon dieser gar nichts mitbekommt, wie in meinem Dialektbeispiel?

Menschen verändern sich. Freundschaften verändern sich. Es ist okay, loszulassen, denn die Alternative wäre meistens unterdrückter Frust, der auf lange Sicht in Groll umschlägt. Und davon hat niemand was. Manchmal hilft es, den Erwartungsdruck aus der Freundschaft zu nehmen und ein bisschen mehr Richtung Bekanntschaft zu gehen oder eine Sendepause einzulegen. Oft hat dies schon wahre Wunder bewirkt!

Fühlt ihr euch auch manchmal in bestimmte Rollen gedrängt? Wie entkommt ihr diesen?

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