Das Geheimnis einer Fernfreundschaft

Das Thema Fernbeziehung begegnet uns immer wieder in Gesprächen oder in den Medien. Es gibt Bücher darüber, Songs und konträre Ansichten. Aber was ist eigentlich mit Freunden, die wir nicht so häufig sehen? Ist es diese Art von „Fernfreundschaft“ nicht mindestens genauso wert, thematisiert zu werden?  Auf dem Instagram-Account vom Persönlichkeitscoach Christian Bischoff bewegte mich folgender Spruch: „Wahre Freunde sind die, die Du Tage, Wochen, sogar Monate nicht siehst, doch die Bindung noch genauso stark ist wie am ersten Tag.“

Iris und ich führen seit über zehn Jahren eine solche Freundschaft. Seit wir in der achten Klasse nebeneinandergesetzt wurden, gab es kaum einen Tag, an dem wir nicht in Kontakt standen. Zunächst sahen wir uns ständig in der Schule, später mehrmals wöchentlich beim Training oder am Wochenende und seit wir in zwei verschiedenen Städten studieren, meist nur alle paar Monate. Wie wir es schaffen, dennoch so eng befreundet zu bleiben? Heute teile ich euch mal mit, was uns so zusammenschweißt – und wie diese Bindung jede Distanz überwindet.

Prioritäten setzen

Ihr habt Stress auf der Arbeit, eure Kollegen fragen nach einem gemeinsamen Drink oder ihr müsst noch dringend putzen? Ja, jeder hat seine größeren und kleineren Pflichten und Ablenkungen im Leben. Wichtig ist dabei aber, Prioritäten zu setzen. Ist das After-Work-Geplänkel gerade wichtiger als das Telefonat mit dem besten Freund, der gerade einen guten Rat gebrauchen könnte? Wenn ihr euch nicht sowieso persönlich seht, müsst ihr euch aktiv Zeit freischaufeln, sonst garantiere ich euch, dass „Real life“-Ereignisse ständig präsenter scheinen als das blinkende Smartphone. Da funktioniert auch kein Nebenbei-Tippen. Nehmt euch aktiv und mit voller Konzentration Zeit füreinander!

Reden, reden, reden

Findet euren gemeinsamen Nenner, welche und wie viel Kommunikation ihr euch wünscht! Reicht euch einmal wöchentlich telefonieren oder tippt ihr lieber täglich in WhatsApp? Geht es um bestimmte Themen oder die komplette Bandbreite im Inneren? Je intensiver eure Kommunikation, desto tiefer eure Bindung! Bei uns verschwimmen die Grenzen zwischen Tippen und Treffen beinahe (wobei letztere natürlich ein Highlight sind), da wir täglich alles offenlegen, was wir tun, denken und fühlen. Von kurzen, Emoji-gezierten Anekdoten über verbrannte Kuchen bis hin zu viertelstündigen Sprachnachrichten über tiefe Gefühle ist alles dabei. Wie viel Gesprächsbedarf habt ihr in eurer Freundschaft und über welchen Kanal kontaktiert ihr euch?

Fernfreundschaft
Telefon oder Tippen, wöchentlich oder ständig – findet den „Draht“ zueinander, mit dem ihr beide zufrieden seid!

Der Draht zueinander

Nicht nur Kommunikation ist wichtig. Im oben erwähnten Instagram-Post von Christian Bischoff heißt es weiter: „Wahre Freundschaften zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass Du trotz körperlicher Distanz gedanklich nie von dieser Person getrennt bist.“ Das bedeutet für mich zum Beispiel: Ich merke mir die Pläne des anderen (Tipp für die Vergesslichen unter euch: Tragt euch wichtige Ereignisse eures besten Freundes doch einfach auch in euren eigenen Kalender ein!), überlege, wie es dem anderen geht und stelle aktive Nachfragen. Auf der anderen Seite lasse ich dem besten Freund seine Freiräume und habe Verständnis für Phasen, in denen er möglicherweise weniger Zeit oder Optimismus aufbringt. Nicht nur Beziehungen funktionieren durch den idealen Grat zwischen Bindung und Autonomie – dasselbe gilt für Freundschaften!

Von Hobbies und Highlights

Bei uns würden die Gesprächsthemen nie ausgehen, da wir – ganz zu schweigen von unserem Innenleben – stets unzählige Interessen, Hobbies und vor allem Ansichten und Werte geteilt haben und dies immer noch tun. Über solche Gemeinsamkeiten hinaus wird es eure Freundschaft beleben, sich nicht nur im immergleichen Rahmen auf einen Kaffee zu treffen (wobei ich mich auf solche Kränzchen auch immer riesig freue 🙂 ), sondern besondere Treffen zu planen. Wir haben alleine schon immer so viel Spaß daran, das nächste Event oder die nächste Reise zu organisieren, ob durch vorfreudige Sprachnachrichten oder witzige Ausflugsideen in einem gemeinsamen Dropbox-Dokument. Nebeneffekt: Gemeinsame Erlebnisse erzeugen noch mehr Gesprächsstoff für die Zukunft!

Ich glaube, dieser Mix aus bewussten Prioritäten, intensiver Kommunikation, innerer Verbundenheit und kunterbunten Treffen ist ein möglicher Grund, warum wir seit über zehn Jahren über Stadt- und Landesgrenzen hinweg befreundet sind. Welche Kriterien allgemein in einer Freundschaft wichtig sind, habe ich übrigens in diesem Rezept für eine gute Freundschaft beschrieben. Wenn ihr diese Punkte berücksichtigt, wird das persönliche Treffen nach monatelangem Getrenntsein einerseits besonders, andererseits genauso vertraut wie das davor. Denn statt sich einzeln zu verändern, entwickelt man sich zusammen weiter – und das ist so viel wert!

Habt ihr Freundschaften, die ihr trotz Distanz schon lange am Leben erhaltet? Was ist euer Erfolgsrezept?

Anmerkung: Im nachfolgenden Text wurde beim Begriff „Freund“ zur besseren Lesbarkeit teilweise die männliche Form gewählt, natürlich sind damit aber beide Geschlechter gemeint.

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