Ja sagen!

Ja sagen? Läuten bei quergetippt etwa schon die Hochzeitsglocken? Nein, bei dem Ja-Wort, das ich meine, braucht ihr garantiert nur euch selbst. Es geht um das Ja zu allem, was neu und spontan ist. Um das Ja zum Leben selbst. Das klingt ganz schön kitschig, daher starten wir am besten mit einem konkreten Beispiel! Neulich auf der Arbeit fragte mich ein Kollege, ob ich nach Feierabend mit in einen Pub kommen möchte. Meine Reaktion auf derlei spontane Anfragen war bisher immer: Nein, lieber nicht. Nein, zu kurzfristig. Nein, ich muss noch ganz dringend xy erledigen (sollte heißen, ich hatte ein Date mit meiner Abendlektüre). Ich hatte das Nein immer griffbereit, um es als Schutzschild gegen Risiken oder Herausforderungen hervorzuziehen und mich dahinter zu verstecken. Und dabei ist der Kneipenabend ja noch ein harmloses Beispiel. Ich hatte es genauso schnell auf der Zunge, wenn es um größere Dinge ging, zum Beispiel um berufliche Chancen, ehrenamtliches Engagement oder potenzielle Partner. Kennt ihr auch diesen zögernden Nein-Reflex, durch den ihr euch viele Wege zu verbauen droht?

Ja sagen
Was wartet wohl hinter der nächsten Ecke? Ihr werdet es nur erfahren, wenn ihr Ja zu neuen Wegen sagt und nicht stehenbleibt!

Warum tun wir das eigentlich? Die Angst vor dem Unbekannten spielt dabei wohl eine große Rolle. Wer weiß, ob der Pub-Abend lustig wird oder ich nicht stattdessen die Zeitverschwendung bedauere? Oder um auf die größeren Themen zurückzukommen: Was, wenn ich meinen Job kündige und meiner Leidenschaft nachgehe, und dann in finanzielle Schwierigkeiten gerate? Dazu lege ich euch Iris´ Blogpost „Komfortzone – rein oder raus?“ ans Herz, der sich kreativ und fundiert mit Angst und Risiko und ihrer Beziehung zueinander auseinandersetzt. Als Routinemensch ging es mir außerdem oft so, dass ich alles unter Kontrolle halten und mich an meinem geliebten Alltagstrott festhalten wollte (in „Sei gegrüßt, Murmeltier!“ lest ihr mehr über Routine und den Ausbruch daraus). Nachdem ich meine innere Angst davor, meine Routine und Kontrolle aufzugeben, hinterfragt hatte, erlebte ich Jasagen tatsächlich als befreiend. Egal, ob zum Kneipenabend mit Kollegen oder zu größeren Dingen wie dem Auslandspraktikum, das ich gerade absolviere. Egal, ob ich am Ende etwas gewann oder sogar einen Fehler beging. Was für mich mittlerweile zählt, ist das Vorwärtsgehen und das damit einhergehende Gefühl des Lebendigseins. Probiert mal aus, mit einer „Warum nicht?“-Haltung ins Leben zu gehen. Wie fühlt sich das für euch an?

Ja als Lebenseinstellung

Sollen wir jetzt alle zu unreflektierten Jasagern werden? Natürlich nicht. Ein kritischer Geist ist immer wichtig. Aber Jasagen steht auf der anderen Seite nicht automatisch mit Mainstream, Nichtabgrenzung oder Undiszipliniertheit auf einer Stufe. Manchmal bedeutet ein Ja einfach, offen zu bleiben und einen Schritt nach vorne zu machen. Wir brauchen die Interaktion mit anderen oder neue Lebenswege, um uns weiterzuentwickeln. Überall warten kleine und große Optionen, manchmal nur zu einem schönen Abend, manchmal sogar zu einem besseren Leben. Wir müssen nur zugreifen. Denn es zählt am Ende nicht das, was wir in unserem Kämmerchen festhalten, sondern das, was wir außerhalb davon erleben. Folgendes Zitat von Jochen Schweizer finde ich hierzu sehr passend: „Wenn man alles aufschreibt, was man besitzt, dann hat man am Ende nur eine Liste. Wenn man aber alles aufschreibt, was man erlebt, dann hat man eine Geschichte.“ Also, wozu könnt ihr heute mutig Ja sagen und damit Lebensgeschichte schreiben?

Erlebt ihr das Nein-Wort auch oft als Schutzschild in eurem Alltag? Wo hat euch schon mal ein beherztes Ja zu einem schönen Moment oder einer guten Entscheidung verholfen?

 

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