Eine Hundebegegnung der besonderen Art

Neugierige Spürnasen, ungestüme Springer, treudoofe Schmusebären – im Tierheim begegne ich regelmäßig den verschiedensten Hunden. Und unter diesen gibt es immer mal wieder einen Vierbeiner, der irgendwie besonders ist. Kennt ihr das Gefühl, mit einem Hund sofort auf einer Wellenlänge zu sein? Das ist, als hätte man bisher nur lustige oder sanfte oder temperamentvolle Hunde gekannt und dann ist da einer, der all diese Vorzüge verbindet und auch von sich aus auf einen zugeht.

Ich erinnere mich an einen jungen Kelpie im Tierheim, der Iris´ Hund Leo (hier erfahrt ihr seine Geschichte!) sehr ähnlich sah. Er trug den seltsamen Namen „Lord Helmchen“. Als ich mich seiner Box näherte, reagierte er nicht wie die meisten Hunde, also stringent mit freudigem Entgegenlaufen oder Desinteresse. Nein, er lief auf mich zu, wedelte, hüpfte wieder zurück, duckte sich und kam dann endlich auf mich zugerobbt – alle Nuancen seines Verhaltens zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Am Gitter angekommen freute er sich, lief dann aber immer wieder zur Tür und zu mir zurück und sah mich mit seinen klugen Augen erwartungsvoll an. Seine Kombination aus differenzierter Kommunikation, Tollpatschigkeit und Intelligenz brachten mich zum Lachen. Ein andermal saß ich bei ihm in der Box und nach anfänglicher Aufregung bei einem witzigen Suchspiel schmiegte er sich irgendwann ganz ruhig an mich, als hätte sich meine Ruhe auf ihn übertragen. Er genoss es mit geschlossenen Augen, gestreichelt zu werden, und ich hatte das Gefühl, seine traurige Verwirrung – seine Familie hatte ihn wegen Überforderung erst wenige Tagen zuvor abgegeben – zu spüren, sie griff regelrecht auf mich über. (Und das sage ich, obwohl ich bei Tierschutzthemen eher pragmatisch denke, als jedes Schicksal zu emotionalisieren).

Hundebegegnung der besonderen Art
Von Lord Helmchen habe ich kein Foto gemacht. Er sah aber ungefähr so aus wie dieser Kelpie, nur einfarbig braun und mit Welpenspeck. 😉

Was diese Art Hundeumarmung so besonders machte? Ich glaube, es war dieser unverfälschte, simple Wunsch nach Nähe. Vergleicht das mal mit einer menschlichen Umarmung, hinter der so viele Absichten, Bedürfnisse und Gedanken stecken. Da gibt es den Kollegen, der einen mit einem „Schön, dich zu sehen“ umarmt, die Floskel aber nicht ansatzweise so meint. Den Partner, der damit Wünsche wie „Bleib bei mir“ oder „Umarme mich bitte öfters“ ausdrückt. Die Freundin, die einem in die Arme fällt, weil sie Trost braucht. Der Typ in der Disco mit rein körperlichem Interesse. Es gibt viele Motive. Ein Hund dagegen schenkt Nähe aus einem Impuls heraus. Er lebt im Moment. Er rechnet nichts mit der Vergangenheit auf. Er stellt keine Erwartungen, schon gar nicht an eine Gegenleistung. Er hat keine bösen Absichten wie Manipulation oder Kontrolle. Er ist einfach da, im Hier und Jetzt, und zeigt uns, was Achtsamkeit und Selbstvergessenheit bedeuten. Bei Lord Helmchen verschwanden kurzzeitig all die Sorgen und Pläne in meinem Kopf. Ich widmete mich ganz diesem Moment der Verbundenheit. Mittlerweile ist der kleine Kelpie übrigens in ein neues Zuhause eingezogen. Aber auch in meiner Erinnerung hat er einen festen Platz.

Hattet ihr auch schon mal eine Hundebegegnung der besonderen Art? Wie empfindet ihr die Nähe eines Hundes?

Bilderquelle: Pixabay

4 thoughts on “Eine Hundebegegnung der besonderen Art

  1. Eigentlich habe ich ja Angst vor Hunden. Aber auf der anderen Seite lebe ich mit zwei Schäferhunden zusammen. Vor denen habe ich natürlich keine Angst. Beide stammen aus dem Tierschutz und sind einfach nur großartig. Ich hatte natürlich keine Ahnung von Hunden, da ich mit Katzen aufgewachsen bin und diese charakterlich ganz anders sind. Aber man lernt nicht aus und daher kommen wir super miteinander klar. D.h. zwei Hunde, zwei Kater und ich leben in einem schönen Haus und fühlen uns zusammen sehr wohl. Auf alle vier möchte ich nicht mehr verzichten und bin froh, dass ich die Entscheidung für die Hunde getroffen habe.

    1. Hallo Grit, vielen Dank für deine Geschichte! Deine Schäferhunde und du wirkt auf den Fotos auch wie ein richtig gutes Team (und ich bin nebenbei bemerkt ein großer Fan von Schäferhunden, vor allem den weißen!). Deine Erzählung macht mich ja ein bisschen neugierig. Wie kam es denn zu der Entscheidung, dass du dich trotz Angst vor Hunden für die beiden entschieden hast? Hast du sie zusammen adoptiert? Wie verstehen sie sich mit den Katern? 🙂

      Viele Grüße!
      Franzi

  2. Rufus habe ich am 4.12.2015 aus Bosnien bekommen. Er war damals 4 Monate alt. Ich war früher im Tierschutz und die schreiben mich bei Notfällen immer noch an. Mein damaliger Lebensgefährte sagte mir, dass wir die Erziehung schon hinbekommen, er kenne sich da aus. Natürlich war das dann nicht der Fall und ich habe mich erstmal belesen und eine Hundetrainerin engagiert. Er war am Anfang ziemlich krank und hatte ganz schlimmen Demodex-Befall. Gott sei Dank haben wir das in den Griff bekommen.
    Am 30.08.2016 kam dann meine weiße Schönheit zu mir. Sie wurde in Kroatien gefunden und war 1,5 Jahre alt als sie bei mir eingezogen ist. Ich könnte mir vorstellen, dass sie als junge Hündin entweder ihren Besitzern im Urlaub weggelaufen ist oder dass sie aus bestimmten Gründen nicht zur Zucht geeignet war und man sie ausgesetzt hat. Es wurde mir jedenfalls von einer Preisrichterin bestätigt, dass sie reinrassig ist. Auch hier gab es über den Tierschutz wieder eine Anfrage. Allerdings hätten auch noch 35 weitere Personen Arla sofort aufgenommen. Ich weiß selbst nicht, warum man sich für mich entschieden hat. Vielleicht weil die Dame, die die Nachkontrolle bei Rufus übernommen hat, ziemlich beeindruckt von der Pflege und dem Zustand des Hundes war. Hat ja auch einiges gekostet, ihn gesundheitlich über den Berg zu bringen und so dachten sie wohl, dass Arla bei mir auch gut aufgehoben sein dürfte.
    Die beiden Hunde verstehen sich vom ersten Tag an super und passen so richtig gut zueinander. Auch mit meinen zwei Katern kommen sie gut aus.
    Probleme haben wir immer noch wenn wir spazieren gehen und uns andere Hunde, Katzen oder Hasen über den Weg laufen. Dann sind sie leider immer noch Leinen-Rambos. Aber auch das wird langsam immer besser.

    1. Das sind ja tolle Geschichten. Respekt für all die Mühen, die du für die beiden Hunde bei der Erziehung und Versorgung aufgewendet hast! An Rufus und Arla sieht man mal wieder, was für wunderbare Hunde im Tierschutz auf ein neues Zuhause warten. Es freut mich besonders, dass Arla bei der großen „Konkurrenz“ den Weg zu dir gefunden hat und dass sich die Tiere so gut verstehen. Wünsche dir weiterhin eine schöne Zeit mit deinen Vierbeinern! 🙂

Kommentar verfassen