Buchklassiker: Romantik

Literaturklassiker stellen sich oft als gähnend langweilige Schullektüre in kleinen, gelben Reclam-Bändchen heraus. Manchmal sind sie aber richtig spannend! Wir stellen euch hier regelmäßig Klassiker aus der Weltliteratur vor. Pro Beitrag lesen wir zwei unterschiedliche Autoren und Werke aus derselben Epoche (die Nationalität kann dabei variieren) und besprechen sie mit euch.

Diesmal geht es um die Literatur der Romantik. Die beiden Vertreter sind: „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff (Iris) und „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis (Franzi)!

Romantik – worum ging es da nochmal?

Die literarische Romantik lässt sich von 1795 bis 1848 verorten und wird nochmals in Früh-, Hoch- und Spätromantik unterschieden. In der technisch und wissenschaftlich aufstrebenden Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, in der Profit und Effizienz eine große Rolle spielten, sehnten sich die „Romantiker“ nach etwas Geheimnisvollem, das träumerisch und unerklärlich erscheinen sollte.

Typische Motive dieser Epoche sind die ungebändigte Natur, Schwellenmotive wie Dämmerlicht, Mondschein oder der Blick in die Ferne sowie Träume, das Unterbewusstsein und viele mehr. Kurzum sollte der Verstand um mythische Aspekte erweitert werden. Diese und weitere, ausführliche Infos zur Epoche findet ihr hier.

„Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Eichendorff

Zum Autor: Joseph von Eichendorff (1788-1857) entstammt der Ehe eines Offiziers mit einer preußischen Adligen und studierte Jura in Halle. Seine bekanntesten Werke sind die Novelle des Taugenichts und viele Gedichte, wie die berühmte Mondnacht.

In einem Satz: Ein Müllerssohn wird mit seiner Geige ohne Ziel hinaus in die Welt geschickt, wo er sich in eine Frau namens Aurelie verguckt, die jedoch vergeben scheint. Er reist nach Rom, erhält eine falsche Rendezvous-Einladung, gelangt auf ein Wiener Schloss und klärt dort einen Irrtum auf, bis er mit seiner Aurelie zusammenkommt.

Gedanken beim Lesen: Wie viel Glück kann ein einziger Mensch eigentlich haben? Wann kommt das nächste Gedicht im Text? Passiert hier noch was Spannendes?

Lieblingsstelle: Die erste Strophe des ersten Gedichts ist sehr bezeichnend für die Geschichte (S. 5): „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt, dem will er seine Wunder weisen in Berg und Wald und Strom und Feld.“

Top oder Flop? Wer sich eine kleine Auszeit vom stressigen Alltag gönnen möchte, findet in diesem kurzen und kurzweiligen Buch angenehme Muße und Müßiggang. Ich bevorzuge dann doch lieber Jane Austen.

„Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis

Zum Autor: Novalis wurde als Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg 1772 geboren, studierte Jura und an einer Bergakademie, war zweimal verlobt, schrieb viele Gedichte und starb bereits mit 29 an einer tuberkulösen Krankheit.

In einem Satz: Heinrich von Ofterdingen träumt von der berühmten blauen Blume und reist daraufhin mit seiner Mutter durch Deutschland, lernt Menschen und Sagen kennen und trifft auf seine große Liebe – bevor im zweiten Teil plötzlich ein konfuses Zukunftsmärchen folgt.

Gedanken beim Lesen: Nicht schon wieder eine philosophische Diskussion über Poesie! Die ständigen Fabeln und Gedichte in dem Fragment (Novalis hat das Buch nicht vollendet) erinnern außerdem einen an nervige Disneyfilm-Gesangseinlagen. Bevor ich am Ende endgültig den Faden verloren habe, fand ich die formvollendete Lyrik und einige philosophische Gedanken aber angenehm.

Lieblingsstelle: Ich finde den Teil witzig, als Muttersöhnchen Heinrich mit einer ganzen Feiergesellschaft spontan eine Höhle erkundet und dort auf einen singenden Eremiten trifft, der dem illustren Völkchen fröhlich von seiner Einsamkeit erzählt. Ansonsten hier ein kleiner Eindruck von der Sprache bzw. die Schilderung eines Traums: „Endlich gegen Morgen […] wurde es stiller in seiner Seele, klarer und bleibender wurden die Bilder. Es kam ihm vor, als ginge er in einem dunkeln Walde allein. Nur selten schimmerte der Tag durch das grüne Netz.“ (S. 3)

Top oder Flop? Weder noch. Das Werk ist ganz hilfreich, um einen Eindruck von der Epoche zu gewinnen, denn in dem typischen Vertreter der Frühromantik findet ihr garantiert alle Merkmale, von denen ihr im Deutschunterricht schon mal gehört habt. Das Buch in voller Länge kann ich nicht weiterempfehlen, für Lyrikfans sind die zahlreichen Gedichtpassagen aber sicher ein Genuss.

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Kennt ihr eines der Bücher? Wie fandet ihr es? Welche literarische Epoche mögt ihr am liebsten?

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