Das sinnlose Hamsterrad

Bis vor kurzem war das sinnlose Hamsterrad ein fester Teil meines Alltags. Was ich damit meine? Stellt euch vor, es ist Dienstagnachmittag und ihr habt nach stundenlangem Lernen und Arbeiten, auch am Wochenende, endlich ein bisschen Freizeit. Nun liegt euer aktueller Roman verlockend auf dem Sofa – gleichzeitig nagt euer schlechtes Gewissen an euch. Ihr könnt nicht entspannen. Es fühlt sich irgendwie nicht richtig an, zu relaxen, während andere beispielsweise arbeiten. Kennt ihr die Situation? Dann können wir heute vielleicht die Ursachen dafür herausfinden!

Von Fleiß und Versagensängsten

Auch für mich war sinnloser Aktivismus ein ständiger Teil meines Lebens – phasenweise ist er es immer noch. Um den Mechanismus des Hamsterrads zu verstehen, müsst ihr euch selbst reflektieren. Wie das funktioniert, erklärt Iris in diesem Beitrag ihrer Reihe „Sich selbst neu erfinden“. Meine Selbstreflexion hat Folgendes ergeben – vielleicht könnt ihr nützliche Hinweise für euch herauspicken:

  1. Der Wert Fleiß: Ich fragte mich, warum ich eigentlich so daueraktiv bin. Verfolgte ich ein konkretes Ziel oder war mir das Gefühl des Produktivseins so wichtig? Ich kam darauf, dass es mir weniger um große Ziele oder Erfolg im Studium ging (Freundschaft, Blog oder Sport beispielsweise sind mir viel wichtiger), sondern tatsächlich um das gute Gefühl, fleißig zu sein. Passenderweise erhielt ich erst zu meinem Geburtstag eine Karte von einer Verwandten, in der stand: „Mach weiter so – nur mit Fleiß kann man Erfolg ernten.“ – Und da dachte ich mir: Nein! Ich möchte diesen Wert nicht weiterhin unreflektiert aus meiner Erziehung übernehmen. Was früher gelobt wurde, muss heute lange nicht mehr als vorbildliche Tugend gelten. Gibt es auch bei euch Werte oder Prinzipien, die ihr von andere übernommen habt, die ihr aber gar nicht mehr vertretet?
  2. Selbstwertgefühl: Fragt euch, warum ihr es euch nicht gönnt, mit einem Buch dem Alltag zu entfliehen oder die To-Do-Liste auch mal unerledigt liegen zu lassen. Sind es hohe Ansprüche? Denkt ihr, ihr seid es nicht wert? Mir ging es vor allem früher so und es war auch in meiner letzten Hamsterrad-Phase ein Faktor. Macht euch also bewusst, dass ihr ein Recht auf ein glückliches Leben habt!
  3. Einflüsse von außen: Womit wir schon beim dritten Punkt wären. Ich stellte fest, dass ich das Gefühl hatte, vor anderen fleißig wirken zu müssen, weil sie das von mir erwarten. Ich wollte niemanden enttäuschen und die Harmonie nicht gefährden. Auf der anderen Seite verspürte ich oft Trotz, weil ich den Menschen, die mich einengten und kleinhielten, beweisen wollte, dass ich auch unabhängig und produktiv sein konnte. All diese Gedanken sind emotionale Glaubenssätze oder Schutzstrategien, die ihr durch rationales Nachdenken entkräften könnt. Macht innerlich einen Schritt zur Seite, begebt euch in eine Erwachsenen-Perspektive und macht euch rational klar: „Ich muss niemandem gefallen! Ich genüge, wie ich bin!“
Das sinnlose Hamsterrad
Hinterfragt euren Aktivismus. Vielleicht ist er nötig, um eure Ziele zu erreichen – dann bravo, weiter so! Vielleicht ist er in manchen Bereichen aber auch nur eine sinnlose Angewohnheit. Hinterfragen lohnt sich, um entspannt zu leben! 🙂

Raus aus dem Hamsterrad

Jetzt weiß ich also, dass ich deswegen dem sinnlosen Aktivismus verfallen bin, weil Fleiß ein fester Bestandteil in meinem Wertesystem war, weil ich mir keine Entspannung gönnte und weil ich den Erwartungen anderer entsprechen wollte. Ich bin gerne vielseitig aktiv, aber für das sinnlose Hamsterrad habe ich keine Energie mehr – stattdessen suche ich aktuell noch nach neuen Werten, gönne mir Ruhe und versuche mich, von anderen abzugrenzen.

Und jetzt zu euch: Welche Werte, Gefühle und äußeren Einflüsse stecken hinter eurem persönlichen Hamsterrad? Findet heraus, was ihr glaubt, leisten zu müssen. Enttarnt eure Ängste, auf denen Überarbeitung oft fußt. Und findet heraus, warum ihr euer Umfeld so wahrnehmt, wie ihr es tut. Das waren natürlich nur meine Tipps und Erfahrungen als Privatperson. Wenn ihr professionellen Rat sucht, kann ich euch wärmstens die Ratgeber der Psychologin Stefanie Stahl empfehlen (keine Werbung, nur meine Ansicht). Ich werde jetzt mal völlig unproduktiv aus dem Fenster sehen und rekapitulieren, wofür ich heute dankbar bin. Wie entspannt ihr heute?

Habt ihr bei euch auch schon einmal sinnlosen Aktivismus festgestellt? Worauf gründet sich euer Hamsterrad?

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