Rezension: Dämonenzyklus von Peter V. Brett

Über fünf Jahre hinweg hat mich der Dämonenzyklus von Peter V. Brett begleitet. Heute stehen sechs Bücher, fünf Bände (denn der letzte wurde gesplittet) und eine Zusatzerzählung in meinem Regal – Zeit für einen Rückblick! Wie war die Reihe und kann ich sie empfehlen?

Cover und Stil

Wie findet ihr die Cover? Meiner Meinung nach sind sie nichts Besonderes, passen aber gut zum klassischen Fantasy-Epos. Typisch für den Dämonenzyklus des Bestseller-Autors Peter V. Brett sind der epische, sehr ausführliche und oft nicht lineare Erzählstil sowie die mit viel Liebe zum Detail gezeichneten Figuren. Außerdem habt ihr nach der Reihe mindestens Sprachlevel A1 in Krasianisch, der Sprache des südländischen Wüstenvolkes. 😉

„Das Lied der Dunkelheit“ und „Das Flüstern der Nacht“

Dämonenzyklus von Peter V. Brett
Die ersten Bände bilden den brillanten Auftakt in eine fantastische Welt!

„Das Lied der Dunkelheit“ beginnt mit dem 10-jährigen Dorfjungen Arlen. Er lebt in einer Welt, in der nachts Dämonen aus dem Boden emporsteigen und jeden töten, der sich nicht hinter magischen Siegeln versteckt. Als seine Mutter von einem Dämon („Horcling“) umgebracht wird, flieht er von zu Hause und macht sich auf eine langjährige Reise, um mehr über Magie zu lernen und einen Weg zur Erlösung der Menschheit von den Horclingen zu finden. Parallel geht es um die Kräutersammlerin Leesha und den Jongleur Rojer, die auf ihre eigene Weise Dämonen bekämpfen und deren Handlungsstränge geschickt verknüpft werden. Besonders mit den Schicksalen vom tapferen Arlen und der cleveren Leesha fieberte ich von Anfang an mit.

Im zweiten Band „Das Flüstern der Nacht“ pausiert die Geschichte zunächst und der Leser erfährt in aller Ausführlichkeit etwas über Arlens Freund und Widersacher zugleich: den Herrscher über das krasianische Wüstenvolk Jardir, der sich zu einer der Hauptfiguren der Reihe entwickelt. Dadurch entwickelte ich auch für diese Figur Sympathie, obwohl sie mir im ersten Teil zuwider war. Parallel erfahrt ihr in diesem Roman mehr über Arlens Jugendfreundin Renna, über die Invasion der Krasianer im Norden und die furchteinflößenden Seelendämonen – eine fesselnde Fortsetzung des ersten Bandes!

„Die Flammen der Dämmerung“, „Das Erbe des Kuriers“ und „Der Thron der Finsternis“

Dämonenzyklus von Peter V. Brett
Die Reihe hätte mit Band drei enden sollen. Danach fiel das Niveau stark ab!

Der dritte Band „Die Flammen der Dämmerung“ erzählt die Geschichten der vielen Figuren weiterhin auf einem hohen Niveau. Auch hier steht wieder ein Rückblick an, diesmal zu Jardirs Gemahlin Inevera, einer raffinierten und zugleich sensiblen Magierin und Kämpferin. Sie entwickelte sich zu meiner Lieblingsfigur, während mir Arlen und Renna unsympathisch wurden und Leesha als kopfschmerzgeplagte Dame langweilte. Würde Band drei nicht mit einem so fiesen Cliffhanger enden, hätte Brett die Reihe damit meiner Meinung nach sinnvoll abrunden können.

Der dazwischen erschienene Kurzroman „Das Erbe des Kuriers“ ist wie die anderen Zusatzgeschichten nicht zum Verständnis der Haupthandlung nötig. Leider taugte er aber auch nicht als Appetizer während der Wartezeit auf den nächsten Band, denn die Figur Dorn, die ab Band vier eine Nebenrolle spielt, fand ich einfach nur unsympathisch.

Dann wurde endlich der vierte Teil „Der Thron der Finsternis“ publiziert – und ich war enttäuscht. Seit wann hatte es der Autor nötig, so viele unnötig brutale, geschmacklose und ekelhafte Szenen einzubauen? Sollte das eine absichtliche Provokation sein? Die Handlung steuert nicht auf die finale Schlacht zu, sondern dümpelt vor sich hin – die Seestadt Lakton ist allerdings ein toller neuer Schauplatz. Zu den langweiligsten Figuren zählten für mich Graf Thamos und andere Adelige aus den Städten Miln und Angiers. Highlight dieses Bandes: der traditionell zu Beginn angeführte Rückblick, diesmal auf das Schicksal der krasianischen Kriegerin Ashia.

„Das Leuchten der Magie“ und „Die Stimmen des Abgrunds“

Dämonenzyklus von Peter V. Brett
Band 5.1 war für mich ein Totalausfall. Dafür hat mir das als 5.2 erschiene Finale gut gefallen!

Der letzte Band erschien im Deutschen in zwei Teilen. „Das Leuchten der Magie“ war für mich ein absoluter Reinfall. Brett hat mittlerweile so viele, teilweise völlig irrelevante Figuren angesammelt, dass er fast 650 Seiten dafür braucht, um diese miteinander kommunizieren zu lassen und sie zu sortieren – und es gibt nicht einmal eine zu Beginn näher beleuchtete „Spezialfigur“ wie in den Büchern zuvor. Handlung? Nahezu null. Dramaturgie? Nicht vorhanden. Dazu weiterhin oft ekelerregende und frauendiskriminierende Szenen, die Teil vier Konkurrenz machen. Positiv fand ich das in meinen Augen schönste Cover sowie den Handlungsstrang über Ashia, die mir als eine der wenigen Figuren noch sympathisch war.

Das Finale „Die Stimmen des Abgrunds“ startet mit Schwung, reicht meiner Meinung nach aber nicht an das glanzvolle Niveau der ersten drei Bände heran. Die fehlende Dramaturgie liegt weiterhin in den viel zu vielen Figuren begründet, die unbedingt alle auftauchen müssen, zu denen der Leser aber logischerweise keine Nähe aufbauen kann, wenn sie nur alle hundert Seiten einmal erwähnt werden. Immerhin geht es zum Großteil endlich um Hauptfiguren wie Arlen, Jardir, Leesha und Renna, die sich für die finale Schlacht rüsten. Wie es ausgeht, verrate ich natürlich nicht – das Ende hat mich aber dann doch noch gepackt und berührt.

Fazit

Der Dämonenzyklus von Peter V. Brett ist eine außergewöhnliche Reihe, die mir viele Stunden Lesevergnügen bereitet hat. Dabei fand ich die ersten drei Teile mit Abstand am besten. Die in meinen Augen unnötigen Lückenfüller-Bände vier und fünf waren furchtbar langatmig und oft abstoßend, dafür tröstete mich Band sechs etwas über die Enttäuschung hinweg. Wenn ihr gerne detaillierte Tausendseiter in einer faszinierenden Fantasywelt wälzt und euch von der stellenweise vorhandenen Langatmigkeit in der zweiten Hälfte der Reihe nicht abschrecken lasst, kann ich den Dämonenzyklus von Peter V. Brett im Großen und Ganzen empfehlen!

Verlagsangaben

  • Autor: Peter V. Brett
  • Verlag: Heyne
  • Reihenfolge (nur Hauptbände):
    Das Lied der Dunkelheit (2009); ISBN 9783453524767; 16,99 € (D)
    Das Flüstern der Nacht (2010); ISBN 9783453526112; 16,99 € (D)
    Die Flammen der Dämmerung (2013); ISBN 9783453524743; 15,99 € (D)
    Der Thron der Finsternis (2015); ISBN 9783453315730; 16,99 € (D)
    Das Leuchten der Magie (2017); ISBN 9783453315747; 16,99 € (D)
    Die Stimmen des Abgrunds (2018); ISBN 9783453319387; 14,99 € (D)

 Kennt ihr die Reihe von Peter V. Brett? Wie fandet ihr sie bzw. welcher Band war euer Favorit?

Weitere Reihenrezensionen von uns:

Hier findet ihr einen Überblick über alle Rezensionen auf quergetippt!

One thought on “Rezension: Dämonenzyklus von Peter V. Brett

  1. Pingback: Quer durch 06/18 -

Kommentar verfassen