Bin ich ein Büchermessie?

Ich bin keine Sammlerin, sondern lebe lieber minimalistisch. Zumindest in fast jedem Bereich. Neulich kam ich ins Grübeln, als ich über die Bierkrugsammlung eines Bekannten witzelte und dieser mir sagte: „Ist es mit deinen Büchern nicht genauso?“ Ich musste nachdenklich zustimmen. Wie passt dieser innere Büchermessie eigentlich zu meinem halbwegs genügsamen Lebensstil?

In meiner Kindheit und Jugend kaufte ich so gut wie nie Bücher, maximal bekam ich mal eines zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt. Stattdessen schleppte ich mein Lesefutter stapelweise aus der Bücherei und hatte zudem schon immer einen regen „Lesezirkel“ mit Iris. Als ich in der Ausbildung dann ein bisschen Geld verdiente, gönnte ich mir öfters, Bücher aus einem Impuls heraus zu kaufen. Vor allem bei meinem damaligen Lieblingsgenre Fantasy (und Jugendbuch) machte es mir richtig Spaß, ganze Reihen zu sammeln und ich erfreute mich täglich über ihren Anblick. Mein Traum war es, eines Tages eine riesige Bücherwand zu besitzen und ich plante sogar, die Werke, die mir damals in der Bücherei gefallen haben, als eigenen Besitz nachzukaufen.

Warum so viele Bücher?

Natürlich wurden auch die Nieten im Bücherregal immer mehr. Ich schätze, dass ich mindestens 50 % meiner Bücher mittelmäßig, eher schlecht oder sogar grottig fand – wie würde eure eigene Schätzung ausfallen? Warum hebe ich also so viele auf? Ich habe mir mal meine Gründe überlegt – und ob sie wirklich gelten sollten.

  • Vergissmeinnicht: Ich sehe auf einen Blick, was ich schon gelesen habe und behalte die vielen Geschichten in Erinnerung.
    Ja, aber ich lebe ja gar nicht mehr so stark in der Vergangenheit wie früher. Benötige ich da emotional aufgeladene Erinnerungsstücke? Schließlich habe ich sowieso eine Liste, in die ich gelesene Bücher notiere, und kann mich allein anhand der Titel an die Romane erinnern.
  • Mein Tolkien, mein Kästner, meine Rowling: Ich zeige meine Bücher gerne Gästen oder biete sie Freunden, Kollegen oder Bekannten zum Verleih an. Inhalte teilen geht schließlich nicht nur über soziale Netzwerke!
    Ja, aber… ein bisschen prollig ist das zugegeben schon, denn bei aller Leihbereitschaft ist auch eine Portion Besitzerstolz mit dabei. Dazu kommt, dass ich ja dennoch viele Titel besitze, die ich nicht guten Gewissens weiterempfehlen könnte. Wozu also zeigen? Zum reinen Lästern? Das ist schon etwas dekadent.
  • Bücherheim: Ich mag Bücher als Einrichtungsdekoration. Die bunten Einbände im Regal oder der Stapel auf dem Nachttisch machen den Raum einfach gemütlich. Manchmal erscheinen sie mir fast wie stille Mitbewohner, denen ich ein Zuhause im Regal zuweise.
    Ja, aber… so gefühlsduselig bin ich bei Gegenständen sonst auch nicht. Bücher als Deko oder gar als vermenschlichte „Untermieter“ anzusehen, ist ein sehr banaler Grund, um alle aufzuheben. Und wie passen unter diesem Gesichtspunkt eigentlich die hässlichen Groschenromane ins Bild?
Büchermessie
Wenn ich von Luxus träume, denke ich an eine schöne Bücher-Regalwand. Aber was bringt es mir, wenn sie zum Großteil aus mittelmäßigen Werken besteht?

Fazit

Es gibt für mich keinen rationalen Grund, so viele Bücher aufzuheben, vor allem nicht die mittelmäßigen und schlechten. Endgültig zum Nachdenken gebracht hat mich Iris´ Blogpost über Ordnung, den ihr unbedingt einmal lesen solltet (darin geht es auch um andere Aufräumkategorien, orientiert am Buch „Magic Cleaning“). Literatur wegwerfen oder einzelne Seiten herausreißen kommt auch für mich nicht in Frage. Aber es ist Zeit für eine Entrümpelung. Mein Traum von der Privatbibliothek darf bleiben, aber nur mit Büchern, die ich von Herzen mag und in denen ich immer mal wieder blättern würde. Schluss also mit meinem Dasein als Büchermessie! Neben eBay oder sonstigen Plattformen gibt es in meinem Wohnheim praktischerweise einen „Mitnahmetisch“ als eine Art Tauschbörse. Von dort habe ich schon das eine oder andere tolle Buch mitgenommen. Jetzt wird es Zeit, etwas zurückzugeben!

Würdet ihr euch als Büchermessie bezeichnen? Welche Bücher legt ihr euch zu und warum wollt ihr sie besitzen? Habt ihr das schon einmal kritisch hinterfragt?

4 thoughts on “Bin ich ein Büchermessie?

    1. Okay, machst du das schon immer so oder hast du dich bewusst irgendwann dagegen entschieden, (noch mehr) Bücher zu kaufen? VG Franzi

  1. Interessanter Beitrag, denn so richtig hinterfragt habe ich das bisher nie. Ich liebe meine Bücher auch sehr! Ich möchte sie zum Großteil einfach behalten, weil sie einen emotionalen Wert für mich haben. Ich verbinde Geschichten mit ihnen, die über die vollgeschriebenen Seiten hinaus gehen. Das heißt weggeben könnte ich nur wenige von den Büchern. Trotzdem habe ich in den vergangenen Jahren gemerkt, wie unsinnig es war die Bücher von A nach B zu nehmen. Als ich von Zuhause auszog, war es klar, dass meine Bücher mitkommen. In eines der vielen Bücher hineingeschaut habe ich dann in meiner neuen Wohnung aber höchstens ein- oder zweimal. Bei meinem zweiten Umzug kamen sie dennoch wieder mit. Blieben aber sogar zunächst im Karton, weil ich noch kein passendes Regal hatte. Das war dann ein paar Monate so, bis ich entschlossen habe, den Karton beim nächsten Besuch in der Heimat wieder mitzunehmen. Kurz: Ich kann mich nicht von ihnen trennen, bin aber immerhin soweit, dass ich sie, zumindest bis ich wieder eine dauerhafte Bleibe habe, in der ich länger als ein, zwei Jahre leben werde, auf de Dachboden verstauen kann. 🙂

    1. Danke für deinen Beitrag, Miriam! Das ist eine gute Ergänzung, denn genau das ist mir bei meinem letzten Umzug ins kleine Wohheimzimmer auch aufgefallen: Meine regal- und kistenweise angesammelten Bücher sind neben ein paar Winterjacken der einzige Besitz, den ich noch im Elternhaus ausgelagert habe. Da habe ich mich auch gefragt, was davon ich eigentlich wirklich brauche, zumal ich das meiste beim Umzug ja nicht einmal mitnehmen konnte. Von vielen Büchern kann ich mich wahrscheinlich auch nicht trennen. Aber ich denke, es ist okay, sich mit Dingen zu umgeben, die einem am Herzen liegen und Freude machen. Nur unnötige Exemplare können weg bzw. andere Menschen erfreuen. 🙂

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