Sich selbst neu erfinden – Teil 3

Nachdem ich mir im ersten Teil der Selbstneuerfindungsreihe eine neue Werteliste überlegt und mich im zweiten mit Plänen und Strukturen befasst habe, musste ich mir noch etwas völlig Neues beibringen: nämlich Ordnung zu schaffen.

Leider wurde ich nie zur Ordentlichkeit erzogen, denn ein bisschen aufräumen kann schließlich jeder, oder? Nun ja, ich irgendwie nicht. Weil ich aber sehr wohl sehr oft zum Saubermachen genötigt wurde, hat es mich schon immer gestört, dass die Unordnung das Putzen erschwert. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass ich zwar sorgfältig rede, schreibe und arbeite, aber liederlich mit meinen Sachen umgehe. Neue Mission also: Ordnung lernen.

Möchte ich mir in einem Gebiet neues Fachwissen aneignen, tue ich dies meist über Bücher. So fiel mir „Magic Cleaning“ von Marie Kondo in die Hände. Darin verspricht sie, dass die Leser nach dem großen „Aufräumfest“ (zu Deutsch: radikal ausmisten und wegwerfen!) mit ihrer „KonMari-Methode“ nie wieder aufräumen müssen. Sehen wir uns doch mal an, was sich bei mir durch das Buch verändert hat.

Kleidung

Kondos Kriterium für das Behalten von Kleidungsstücken ist, ob sie uns glücklich machen. Macht mich die lilafarbene Regenjacke glücklich? Nein, aber spätestens beim nächsten Schauer werde ich doof aus der Wäsche gucken, sollte ich sie jetzt weggeben. Ich habe viel ausgemistet, allerdings auch vieles behalten, was mich definitiv nicht glücklich macht. Aus dem einfachen Grund, weil ich es mir derzeit nicht leisten kann, mir eine komplett neue Garderobe zuzulegen.

sich selbst neu erfinden Ordnung
Immerhin sehe ich nun auf einen Blick, ob ich lieber die roten oder geringelten Socken anziehen will.

Kondo empfiehlt auch eine gewisse Falt-Roll-Tech nik, die zwar für asiatische Kommoden taugt, in deutschen Einbauschränken jedoch nicht funktioniert. Allerdings habe ich sie erfolgreich auf meine Socken angewendet. Und zeitweise auch auf meine Unterhosen, aber mal ehrlich: Ob ich diese nun an ihren Platz stopfe oder falte, macht vom Volumen keinen Unterschied, sehr wohl jedoch im Zeitaufwand. Das Stopfen kostet mich genau eine Sekunde, das Falten etwa fünf Minuten. Ein semiglücklicher Schrank, viele Kleiderspenden und gefaltete Socken sind meine Resultate.

Papierkram & Persönliches

Aktenablage sah bei mir bislang so aus: Alles grob in zwei alte Ordner knittern und schnell wieder wegstellen. Alte Rechnungen, Gehaltszettel, Kontoauszüge – wer braucht diesen Quatsch? Zwei Tage lang habe ich seufzend Akten abgeheftet oder zerkleinert und mich gefragt, ob es auf dieser Welt eigentlich noch größere Papiermessies als mich gibt. An dieser Stelle hat mir das Buch wirklich weitergeholfen! Kondo empfiehlt weiterhin, persönliche Dinge, wie Grußkarten, wegzuwerfen. Das habe ich teilweise getan, teilweise nicht. Zumindest habe ich jetzt eine ordentliche Krimskrams-Schublade und eine extrem erschlankte Aktenablage.

sich selbst neu erfinden ordnung
Auch den Tee hat es erwischt – ordentlich wartet er auf meine grapschenden Finger.

Bücher

Kondo ist bei Büchern radikal: Sie behält maximal ihre 30 Lieblingsbücher, den Rest wirft sie weg. Dieses Kapitel habe ich komplett ignoriert, für eine Büchersammlerin mit Traum von der eigenen Privatbibliothek undenkbar. Allerdings hat es dann begonnen, in meinem Kopf zu rattern. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich gewisse Bücher nochmal lesen werde, die nicht zu meinen liebsten gehören, wenn ich eh schon kaum Zeit zum Lesen aufbringen kann? Warum nicht gleich weggeben? Und so wurde ich zur gnadenlosen Bücherverschenkerin.

Ein Wort zu „Magic Cleaning“

Selten habe ich ein Buch gelesen, bei dem ich den/die Autor/in so wenig ernst genommen habe. Marie Kondo schreibt leicht esoterisch aus der Ich-Perspektive und erzählt schamlos, dass sie zum Beispiel mal ihren Schraubenzieher weggeworfen hat und ihn sich dann nachkaufen musste, weil sie feststellen musste, dass man ihn braucht, um Schrauben festzuziehen. Ach was? Oder, dass sich ihre Socken nicht wohlfühlen, wenn sie auf links gedreht in der Schublade liegen. Oder, wie sie drei Jahre lang exzessiv Sachen weggeworfen (spenden oder verkaufen scheint ihr fremd zu sein) und gleichzeitig ständig neue Dinge nachgekauft hat.

sich selbst neu erfinden ordnung kondo

Oft kostet es auch viel zu viel Zeit: Kondo räumt zum Beispiel jeden Tag nach Feierabend ihre komplette Handtasche aus und begrüßt liebevoll ihre paar Gegenstände in der Wohnung. Für mich klingt das ganze Verhältnis zum Aufräumen nicht besonders gesund, hilfreiche Anregungen bekommt man aber definitiv.

Was lerne ich daraus?

Dadurch, dass ich kaum mehr aufräumen muss, bemerke ich erstmals, wie ich oft ich diese Tätigkeit zur Prokrastination verwendet habe. Wenn mich eine Aufgabe überfordert, stehe ich oft unwillkürlich auf und will etwas säubern oder wegräumen – aber da ist nichts mehr! Wahnsinn, wieviel Zeit unseres Lebens wir damit verschwenden.

Was ich während des ganzen „Aufräumfests“ über mich gelernt habe: Ordnung mit System ist gut, solange die Gemütlichkeit bestehen bleibt. Ich persönlich fühle mich in einer trendigen Minimalismuswohnung einfach nicht wohl, woraus ich schließe, dass dieser Lebensstil nicht zu meiner Persönlichkeit passt. Überall glatte Flächen und weiße Möbelstücke, nirgends ein Hauch von kreativem Chaos – nein, in solchen Räumen geht mir sofort jegliche Kreativität abhanden. Ordnung zu halten und keine unnützen Dinge mehr anzuhäufen, habe ich nun jedoch gelernt.

sich selbst neu erfinden ordnung_
Ja, die ungelesenen Zeitungen gehören nicht an diesen Ort, aber gemütlicher wird mein Sesselplatz dadurch allemal!

Habt ihr euch auch schon mal mit Aufräumen oder Minimalismus beschäftigt? Kennt ihr Magic Cleaning?

4 thoughts on “Sich selbst neu erfinden – Teil 3

  1. Danke für den informativen Beitrag 🙂
    Ich habe zwar kein Buch von Marie Kondo gelesen, aber mal ein Interview mit ihr gehört… man kommt ja irgendwie nicht mehr um sie herum! Komplett nach ihrem System habe ich auch nicht ausgemistet, aber manche Anregungen fand ich schob sinnvoll. V.a. Kleidung habe ich einiges weitergeben können, weil vieles nur noch im Schrank rum lag… und von Gegenständen, von denen man sich ungern trennt, kann man Fotos machen und dann weiter geben.

    Lg 🙂

    1. Hi, freut mich! 🙂
      Genau, manche Anregungen habe ich auch umsetzen können, aber vieles ist mir zu ineffizient. Und, wie gesagt, sehr seltsam geschrieben – so, dass ich es als Normalsterbliche nicht nachvollziehen kann! Aber Hauptsache, unsere Schränke sind nun etwas leerer und jemand freut sich über neue Kleidung 🙂

      LG

Kommentar verfassen