Laune nach Vorschrift

Endlich Wochenende!, lautet der kollektive Ruf jeden Freitag. Zwei arbeitsfreie Tage stehen bevor, alles super, alles wunderbar. Und am darauffolgenden Montag mit grauem Regenwetter? Das kann ja kein guter Tag werden. Lieber jammern alle zusammen und suhlen sich in der kollektiven, grauen Stimmungswolke. Macht ja schließlich jeder so. Dabei sind wir doch Freitag auch nicht wirklich glücklicher. Und haben wir irgendetwas dadurch gewonnen, dass wir gemeinsam über das Regenwetter schimpfen?

Bitte jetzt freuen!

Mir geht die Mainstream-Laune aufgrund bestimmter Daten oder Ereignisse schon seit langem auf die Nerven – oder sagen wir lieber, ich will mich dadurch eben NICHT mehr nerven lassen. Konfrontiert wird man mit latenten Negative Vibes, aber auch mit Spaß-Sofortmaßnahmen an jeder Ecke. Erst neulich fühlte ich mich auf einer längeren Autofahrt geradezu verfolgt von den überdrehten Radiomoderatoren, die einem beim ersten Frühlingssonnenstrahl minütlich etwas von Grillspaß und Sommerfeeling ins Ohr flöten, unterlegt von Supidupi-Stimmungsmusik. Ganz zu schweigen von der baldigen Fußballweltmeisterschaft – na, schwenkt ihr schon voller Vorfreude Deutschlandfähnchen? Pfui, wer da nicht mitmacht. Denn ihr wisst ja: Montag blöd, Regen blöd, Stau blöd – aber Freitag toll, Sommer toll, Fußball toll. Insgeheim weiß eigentlich jeder, wie unsinnig es ist, sich aufgrund äußerer Umstände zu Gefühlen oder Gedanken „verpflichtet“ zu fühlen und sich bevormunden zu lassen. Warum tun wir es trotzdem?

Laune nach Vorschrift
Ein bisschen stimmt es ja. Aber sind Wochentage nicht viel zu banal, um die ganze Laune danach auszurichten?

Selbstreflexion statt Manipulation

Freude und Ärger teilen wir gerne, denn es schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Zumindest, wenn wir dabei authentisch sind. Meistens herrscht aber wohl eher Gruppenzwang. Niemand möchte ausgeschlossen sein, während Freunde oder Kollegen das letzte WM-Spiel analysieren oder über das Wetter jammern. Die Frage ist nur, ob man sich nicht noch viel schlechter dabei fühlt, sich unauthentisch über etwas zu freuen oder zu ärgern. Was ist euch wichtiger?

Dabei sollten wir auch bedenken, dass es bei solchen kollektiven Launen ja immer nur um Banalitäten geht. Die Gute-Laune-Holzhammermethode funktioniert nur mit Mainstream-Themen, um möglichst alle gleichzeitig mit banalem Spaß zu erschlagen. Ich glaube, es ist klar, dass wahre Zufriedenheit anders funktioniert. Wer seine Laune stets von äußeren Einflüssen abhängig macht oder sich an anderen orientiert, wird kaum zu innerem Frieden und Frohsinn finden. Zufriedenheit wächst in uns selbst. Es ist eine Einstellungssache, wie wir einen Montag oder Freitag, ein sonniges oder schlechtes Wetter, ein Missgeschick oder einen Glücksfall betrachten. Nicht das Event am Wochenende, sondern langfristige Werte und Ziele bestimmen, mit welchem Gemüt wir in die Zukunft gehen. Wie aber nun den plumpen Stimmungskanonen oder den überall lauernden Bad Vibes im Alltag entgegentreten? Mir fällt dazu ein:

  1. Seid authentisch: Ihr mögt kein Fußball oder seid am Montagmorgen richtig motiviert? Kein Grund zum Schämen. Wie schlimm kann es schon sein, nicht über ein WM-Spiel mitreden zu können oder vom Banalitäten-Pingpong der Kollegen oder Kommilitonen ausgeschlossen zu sein?
  2. Rosa statt grau: Die Welt ist nicht schlecht, sondern nur eure Sicht darauf. Welche Brille habt ihr gerade auf der Nase? Die rosarote, die glasklare oder die beschlagene graue? Je nachdem, wie es euch im Inneren geht, werdet ihr die Welt sehen. Negative Menschen ärgern sich über jeden Montag aufs Neue, positive machen dagegen unabhängig vom Wochentag das Beste aus dem Moment.
  3. Lebensfreude ist ansteckend: Was banale Radiomoderatoren oder Comedians können, könnt ihr schon lange – und zwar bei den Dingen, die im Leben wirklich zählen. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“ gilt nicht nur für Quatsch und Klatsch, sondern genauso für echte Lebensfreude mit Tiefsinn. Konkret: Wenn euer Umfeld sinnlos jammert, seid ein gutes Vorbild und erinnert die anderen (ohne moralischen Zeigefinger), was jetzt und heute so richtig gut ist! Wetten, dass sich einige gerne anschließen?

Verfallt ihr auch manchmal unbedacht in Negative Vibes, weil es eben alle um euch herum so machen? Welche Tipps fallen euch ein, um authentisch und positiv zu bleiben?

Bildquelle Beitragsbild: Pixabay

7 thoughts on “Laune nach Vorschrift

  1. Liebe Fran,
    ich verstehe was du meinst. Meine ehemaligen Arbeitskollegen haben es regelmäßig geschafft mich mit runterzuziehen, wenn sie mal wieder über den Wochenanfang, fehlende Motivation, miese Arbeit etc. geklagt haben. Nach meinem Wechsel ist mir erst bewusst geworden, wie sehr mich das genervt hat und mittlerweile stelle ich mich solchen Äußerungen auch ganz klar entgegen. Ja, es ist Montag und ja, man muss früh aufstehen und sich dem Alltagstrott widmen, aber heißt das, das der Tag rundherum schlecht ist? Nö. Ich kann trotzdem gute Laune haben. 🙂
    Gleiches gilt natürlich andersrum. Ich hab zwar leider keinen konkreten Tipp, aber mir fällt es mittlerweile immer leichter mich mehr auf mich und meine Gefühle zu konzentrieren, anstatt es anderen Recht machen zu wollen – wenn das jemandem nicht gefällt, auch gut, ich muss mit diese Person ja nicht mein Leben verbringen.
    Liebe Grüße,
    Miriam

  2. Hallo Miriam,
    finde ich super, dass dir das aktiv aufgefallen ist! Ganz bei sich zu bleiben und sich abzugrenzen, halte ich auch für eine gute Lösung. Nur finde ich es manchmal schwer, das konkret umzusetzen. Wie reagierst du denn mittlerweile auf Negative Vibes oder nervige Stimmungsmacher in deiner Umgebung? Klar die Meinung sagen oder einfach ignorieren? Ich versuche je nach Situation entweder, etwas Positives zu sagen, oder die Aussage einfach so stehen zu lassen (denn bei manchen Menschen werden Gegenargumente ja nur als Besserwisserei o.Ä. abgetan).
    Viele Grüße und danke für deinen Beitrag!
    Fran

    1. Ich halte es da so ähnlich wie du. Heißt, ich achte darauf, mit welcher Person ich gerade rede und wie die äußeren Umstände (z.B. Stimmung allgemein, weitere Personen die anwesend sind, etc.) sind. Je nachdem lasse ich das Ganze dann einfach unkommentiert stehen, entgegne etwas Positives, um die Person von ihrer eigenen Negativität zu lösen oder ich sage einfach, dass ich der Meinung nicht zustimmen kann und wenn es mich ganz arg nervt, dann bitte ich auch darum, mich zukünftig nicht mehr mit derartigen Themen zu belästigen. Das habe ich bisher jedoch nur einmal gemacht, als ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, täglich darüber informiert zu werden, wie sehr sich die Kollegen (m/w) alle hassen und wie sie sich gegenseitig das Leben schwer machen – meine vorherigen Ratschläge wurden ignoriert, Positives gar nicht gesehen, also habe ich einen Schlussstrich gezogen.

      Liebe Grüße und dir einen guten Start in den Tag,
      Miriam 🙂

      1. Danke für deine Erfahrungen, da sind gute Tipps dabei! Mehr Authentizität ist auch mein Ziel in vielen Bereichen – Respekt, dass du das so durchgezogen hast.
        Liebe Grüße zurück und ein schönes Wochenende! 🙂
        Fran

  3. Manchmal mache ich künstlich mit mich übers Wetter aufzuregen weil ja gemeinsam sich darüber auszulassen auch irgendwie sympathisch macht 😉 manchmal lächle ich aber auch nur vor mich hin 🙂

    1. Ja, zusammen schimpfen (auch über Banales) stärkt auf jeden Fall das Wir-Gefühl und muss auch mal sein. 🙂 Mich persönlich zieht das auf Dauer aber zu sehr runter – da fällt mir selbst Mitlächeln schwer (oder meinst du eher, dass es dich amüsiert?). Grundsätzlich aber eine gute Idee, positiv mit Negative Vibes umzugehen. Danke für deinen Kommentar und viele Grüße!

Kommentar verfassen