Rezension: Raven Boys-Reihe von Maggie Stiefvater

Ich sitze nun hier und versuche das mir eigentlich Unmögliche, nämlich die Raven Boys-Reihe von Maggie Stiefvater zu rezensieren. Dennoch möchte ich euch meine Gedanken zur Reihe nicht vorenthalten, da sie von einem Extrem ins andere schnellten. Ohne Spoiler natürlich!

So ziemlich alle Bekannten, denen ich einen guten literarischen Geschmack zuschreibe, haben mir von den Raven Boys vorgeschwärmt. Ich bin ja nicht ganz branchenfremd im Verlagswesen, weshalb ich schon vor Jahren mit dem ersten Band in Kontakt kam, doch nie hat mich der Klappentext angesprochen. Durch gewisse Umstände gelangte ich nun in den Besitz der kompletten Reihe – zum Glück – denn ich finde den ersten Band so schrecklich, dass ich wohl nicht weitergelesen hätte.

Darum geht’s: Ein Mädchen aus einem chaotischen Wahrsagerinnen-Haushalt in Virginia freundet sich mit vier Jungs einer Nobelschule an, die einen alten König namens Glendower suchen, der auf einer magischen Ley-Linie in deren Dorf (Henrietta) vergraben sein soll.

Band 1: Wen der Rabe ruft

Rezension Raven Boys StiefvaterBand 1 fand ich einfach nur furchtbar. Man muss sich zu Beginn definitiv an den Schreibstil gewöhnen. Ich würde ihn am ehesten als auf alt gemacht, ausufernd und vergleichend beschreiben. Aber keine blumig-kitschigen Vergleiche, sondern abstrakte, die mich oft nachdenklich zurückließen. Vor allem im ersten Band hat Stiefvater hier kräftig in ihre Kreativkiste gegriffen, weshalb wohl kein Platz mehr für Dialoge und Hintergründe blieb. Ich hatte durchweg das Gefühl, die Figuren hinter einer Glasscheibe zu betrachten, weil sie keine handlungsrelevanten oder spannenden Ziele verfolgten. Ja, ich war sogar wütend, weil ich keine Lust mehr hatte, ein paar gelangweilte Teenager bei ihrer sinnlosen Suche auf irgendeiner magischen Linie zu beobachten.

Band 2: Wer die Lilie träumt

Rezension Raven Boys StiefvaterIm zweiten Band rückt der zunächst unsympathisch erscheinende Ronan, einer der vier Raven Boys, in den Fokus. Es geht viel um Träume und Traumgegenstände, bei denen die Autorin kreativ-stilistisch wieder alles gab. Diesen Band finde ich mit Abstand am besten, was wohl an der Liebe Stiefvaters zur komplex gezeichneten Figur Ronan liegt, die ausnahmsweise in keine Schublade gesteckt werden kann.

Band 3: Was die Spiegel wissen

Rezension Raven Boys StiefvaterDer unauffälligste der vier Bände. Die Handlung nimmt an Fahrt und Komplexität auf, was auch bitter nötig war. Allerdings kamen mir die Spiegel zu kurz – ich weiß leider immer noch nicht, wofür sie stehen. Sollen sie überhaupt ein Symbol sein? Und was ist mit den Lilien? Fragen, für die ich entweder zu beschränkt bin oder die tatsächlich offenbleiben müssen.

Band 4: Wo das Dunkel schläft

Rezension Raven Boys StiefvaterAuf den letzten Band habe ich mich dann gefreut, auf ein Ende, das alle Fragen beantworten wird. Die Handlung spitzte sich zwar zu, allerdings kam ich überhaupt nicht mehr mit. Welches Symbol steht jetzt nochmal für was? Hat das alles einen tieferen Sinn oder nicht? Neue Figuren werden außerdem eingeführt, die an sich weder Tiefe noch Sinn für die Handlung haben. Ich weiß auch nicht.

Fazit der gesamten Reihe

Ich finde die Reihe gut, um sich in eine ganz eigene Welt zu träumen. Stiefvater spielt mit Klischees und Stereotypen, die sie nicht ausführt, weil sie es gar nicht muss. Trotz allem hätte ich mir mehr Erklärungen und Hintergründe gewünscht. Die Symbolhaftigkeit trieb mich spätestens ab Band 3 in die Verzweiflung und ich wünschte mir oft, nebenbei eine semiotische Textanalyse zum Buch zu lesen. Wäre der Prozess des Finales nicht so verworren, hätte ich definitiv mehr aus den Büchern ziehen können. Zurück bleiben sowohl ein riesiges Fragezeichen als auch eine Welt, in der ich dankbare Lesestunden verbracht habe.

Habt ihr auch schon die Raven Boys-Reihe gelesen? Wie fandet ihr sie? Könnt ihr in den Symbolen einen Sinn erkennen?

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