Müssen wir Vegetarier werden?

Dass mich das Schicksal von Tieren schlimmer berührt als das vieler Menschen, habe ich schon früh bemerkt. Bis heute kann ich mich an alle Tierquälereien erinnern, mit denen ich im Kindesalter konfrontiert wurde. Da war vor etwa 15 Jahren zum Beispiel eine Foto-Reportage in der BRAVO, in der ein asiatisches Hundeschlachthaus gezeigt wurde. Diesen fühlenden Wesen hat man die blutigen Beinstümpfe auf dem struppigen Rücken festgebunden. Die ganzen anderen Perversionen, die dahintersteckten und auch heute in der Massentierhaltung und auf Schlachthöfen begangen werden, konnte ich mir damals noch gar nicht vorstellen.

Heute schon, unter anderem dank des Buches Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Der Autor bringt uns darin nicht nur die Praktiken der modernen Massentierhaltung nahe, sondern auch schockierende Erfahrungsberichte, die er tief aus der verpesteten Scheiße(grube) der Mastanlagen gegraben hat.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass die gezüchteten Tiere in der Massentierhaltung so deformiert auf wie Welt kommen, dass sie nicht überlebensfähig wären und deshalb mit Medikamenten vollgestopft werden müssen?

Foer beschreibt dies sinngemäß so: In unserem Bauch liegt Geflügel mit Antibiotika im Bauch. Die Tiere erhalten auch keine hochwertige Nahrung, sondern teilweise Abfallprodukte aus der Lederwarenherstellung. In Deutschland werden vor allem Biozide um, auf und in den Tieren verwendet, bei denen ein Zusammenhang zur Antibiotikaresistenz gesehen wird. Ich möchte diese Substanzen nicht in meinem Körper haben!

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Geflügelnutztiere werden in den USA auf engstem Raum zusammengepfercht, Fäkalien und Salmonellen sind allgegenwärtig. Nach einer oftmals unsauberen, qualvollen Tötung werden die Kadaver von einer Maschine aufgerissen, die gelegentlich die Eingeweide trifft, Kot dringt in die Körperhöhlen. Anschließend werden die Vögel zum Kühlen in ein Wasserbecken geworfen, das die Mitarbeitenden „Fäkalsuppe“ nennen, weil sich die genannten Ausscheidungen samt Salmonellen dort tummeln. Das Fleisch darf bis zu elf Prozent Flüssigkeit aufnehmen und bekommt gewürzte Injektionen verabreicht, damit wir denken, dass Hühnchen so schmeckt, wie es schmeckt.

Die Fleischesser zahlen also nicht nur Bares für verseuchtes Scheißewasser, sondern verspeisen dies auch noch. Lecker.

  • In diesem Artikel vom Stern erfahrt ihr, dass es in Deutschland bis Ende 2014 erlaubt war, bis zu 5 % Wasser ohne Kennzeichnung zuzuführen. Seitdem muss der erste Tropfen aufgelistet werden. Ob es wie in den USA eine Fäkalsuppe gibt, konnte ich nicht herausfinden, würde jedoch darauf spekulieren, dass die Hygienestandards hierzulande besser sind.
  • Das ZDF-Magazin Frontal 21 hat eine mit Schlachtblutplasma gestreckte Wurst, die nur zu 9 % aus Fleisch bestand, zur Prüfung an die DLG verschickt und dafür eine Silbermedaille erhalten. Verbraucherverarsche? Absolut.

Wenn ihr noch weitere objektive Artikel zum Thema empfehlen könnt, gerne her damit!

Die Konsequenzen daraus

Foers Meinung ist deutlich: Das Mindeste, was wir gegen Massentierhaltungsbetriebe tun können, ist, diese finanziell nicht mehr zu unterstützen. Er lehnt es auch aus der ethischen Perspektive ab, Tiere zu essen, die mir im Buch allerdings etwas zu kurz kam. Seine Lösung lautet also Vegetarismus.

Und meine?

Kann ich von heute auf morgen zur ausgemachten Vegetarierin werden? Will ich das überhaupt?

Mir schmeckt Fleisch. Mir macht es auch nichts aus, Nutztiere zu essen. Es ist sogar ziemlich leicht, einfach die Augen vor all dem Leid zu verschließen. Aber nach diesem Buch und den ganzen Hintergründen überfällt mich beim Gedanken daran ein Ekel, der meine Erinnerungen an jegliche gesehene Tierschutzverstöße wieder hochkommen lässt. Und das hat mich an meine Prinzipien denken lassen: Ich suche stundenlang nach tierversuchsfreier Kosmetik, plane mein Leben mit Hunden statt Kindern, aber konsumiere bedenkenlos Fleisch zum reinen Genuss?

Besonders der letzte Satz des Buches, in dem Foer seine Großmutter zitiert, hat mich überzeugt, etwas an meiner Haltung zu ändern:

„Wenn nichts mehr wichtig ist, gibt es nichts zu retten“ (S. 306)

Wenn ich nicht mal mehr meine Prinzipien, für die ich einstehen will, befolge, warum stehe ich dann morgens überhaupt auf?

Kann es ein richtig oder falsch im Vegetarismus geben? Ist es besser oder schlechter, Vegetarier aus ethischen Bedenken, Ekel oder Egoismus zu sein? Seid ihr Vegetarier und falls ja, was hat euch dazu bewogen?

 

6 thoughts on “Müssen wir Vegetarier werden?

  1. Das Buch macht sehr deutlich was wir heutzutage nur zu leicht ausblenden. Die Art wie Nutztiere heute gehalten werden würde niemand seinem Hund oder seiner Katze jemals zumuten. Warum aber ist eine solche Behandlung für andere Tierarten dann in Ordnung?
    Ich lebe seit 4 Jahren vegan und so gut wie jeder, der einem begegnet macht deutlich, dass er Massentierhaltung für schlecht hält. Warum ist das so? Und warum ändert man dann nichts? Weil der Geschmack eines Tieres dann doch wichtiger als die eigene offenkundige Moral?

    Ich denke es spielt keine Rolle aus wrlchen Gründen man Veggie ist. Da gibt es kein richtig und falsch. Letzten Endes muss jeder selbst wissen wie er mit diesen Informationen ungeht und welche Konsequenzen man zieht. Blendet man die Realität aus? Reduziert man seinen Fleischkonsum? Wird man Vegetarier? Oder Veganer?

    1. Hi Cordula,

      genauso sehe ich das Thema auch, du sprichst mir aus dem Herzen.
      Ich finde auch, dass das Buch einerseits erschreckende Wahrheiten offenbart und andererseits eine längst verdeckte in uns wieder hervorruft: Wir alle wissen um die Abartigkeiten der Massentierhaltung, die wenigsten ziehen daraus allerdings Konsequenzen.
      Darf ich fragen, wie dein persönlicher Prozess zur Veganerin aussah, was deine ausschlaggebenden Punkte waren?

      Viele Grüße
      Siri

      1. Hey Siri,

        um deine Frage zu beantworten:
        Ich habe damals die Dokumentation Food.Inc angesehen. Darin geht es vorwiegend darum, wie unser Essen heutzutage hergestellt wird. Darunter eben auch TIerprodukte.
        MIch hatte das irgendwie wach gerüttelt. So habe ich dann begonnen mich näher mit dem Thema auseinander zu setzen. Auch mit der Herstellung von Milch und Eiern und was das eben für die Tiere heutzutage bedeutet. Eine zeitlang habe ich mich dann auch mit Biohaltung und Demeter auseinander gesetzt, da ich mir noch nicht sicher war welche Konsequenz ich nun ziehen wollte. Ein Aspekt war dann auch ob Weidehaltung in Sachen Milch eine Alternative für mich wäre.
        Doch desto mehr ich mich mit der Thematik auseinander gesetzt habe, desto mehr erschien für mich persönlich eine vegane Ernährung am konsequentesten zu sein. So habe ich mich dann entschieden vegan zu leben. Irgendwann kam dann auch der ökologische Aspekt hinzu.
        So wurde ich dann Veganerin. Im Endeffekt von heute auf morgen sozuagen ;).

        Lg

        1. Hi, danke für den ausführlichen Kommentar! 🙂
          Ich finde das echt inspirierend und stark von dir! Die genannte Doku werde ich mir wahrscheinlich auch noch ansehen und in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden, inwiefern ich wie meine Ernährung umstellen will.
          Viele Grüße und einen schönen Tag dir!

  2. Wer liest, denkt und fühlt, kommt am vegetarischen Leben nicht vorbei. Wer dann noch ein Mal auf dem Land Hühnereier gesammelt hat, praktisch unter dem Huhn warm rausgenommen hat, der weiß, dass das Huhn nicht Eier GIBT und die Kuh nicht Milch GIBT, sondern dass wir den Tieren ihre Produkte WEGNEHMEN und sie zu diesem Zweck obendrein industriell halten = ein Minimum an Haltebedingungen, sodass die Tiere gerade überleben, ein Maximum an Profit. Wen das Leid der Tiere nicht stört, der kann sich, wie in diesem Beitrag sehr gut gezeigt, überlegen, was diese kranken Produkte für seine Gesundheit tun… Ich habe jedenfalls begonnen zu überlegen, ob ich nicht lieber beginne, vegan zu leben.

    1. Hi Gudrun Maria,
      danke für deine Meinung zum Thema, das kann ich vollstens nachvollziehen und unterschreiben!
      Wichtig ist in diesem Sinne, wie ich finde, die Aufklärung im Vorfeld, damit Menschen überhaupt gedanklich angestoßen werden, sich damit auseinanderzusetzen.
      Liebe Grüße!

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