Sieben Tage Rom – Teil 2/2

In Sieben Tage Rom Teil 1/2 berichtete Siri, welche Tops und Flops wir im strömenden Regen der ersten Tage erlebten. Auf geht´s zum zweiten Part: Wie kommt man an nur einem Tag nach Neapel und auf den Vesuv? Was tun bei Metro-Ausfall in Rom? Und warum ist Florenz eine außergewöhnlich schöne Stadt?

Tag 5: Neapel & Vesuv

Am Mittwoch stand unser erster Ausflug an. Die Zugfahrt von Rom nach Neapel (Bahnhöfe Roma Termini und Napoli Centrale) buchten wir online über Trenitalia. Je nach Schnelligkeit des Zuges und nach Zeitpunkt der Buchung kostet die Fahrt unterschiedlich viel. Wir fuhren für nur 12 €/Person nach Neapel.

Sieben Tage Rom
Sinnbild für Neapel: Wenige Gässchen mit den typischen bunten Häusern, aber sehr viel mehr marode Gebäude, Müll und Lärm.

Mein Eindruck von Neapel? Heruntergekommene Hochhäuser und ärmliche Gassen inmitten von Verkehrslärm und Hektik. Ein Spaziergang zum Meer? Unmöglich, da die von Fabriken gesäumte Promenade mit Sichtschutzzäunen den Zugang kilometerweit verbarrikadiert. In einer gesprungenen Schaufensterscheibe war sogar ein Pistolenschuss zu sehen, was uns an die Camorra denken ließ. Zurück also in die überfüllten, engen Gassen (auch hier solltet ihr euch zuvor unbedingt eine Offline-Karte herunterladen), gesäumt von den typischen hohen, bunten Häusern, die einen Blick wert sind, wenn man Müll und Kitsch ringsherum ausblendet. Bis auf die Festung Sant´Elmo in der Ferne haben wir keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten gesehen. Für eine Tour durchs unterirdische Labyrinth (Kosten: 10 €/Person) hatten wir leider keine Zeit mehr. Höhepunkte: Eine Pizza „a portafoglio“ (gefaltet) auf die Hand vom berühmten Di Matteo (und das für erstaunliche 1,50 €!) sowie Cannoli (gefülltes Gebäck) und 1 €-Törtchen an jeder Ecke.

 

Am frühen Nachmittag fuhren wir vom Hauptbahnhof mit der Bahn Circumvesuviana für erschwingliche 2,80 € nach Pompeji, was 35 Minuten in einer überfüllten, stickigen Klapperbahn bedeutete. In Pompeji, Station Villa dei Misteri, kann man die Ausgrabungsstätten besichtigen, wofür wir auf unserer All-Inclusive-Tour aber keine Zeit hatten. So hüpften wir in den nächsten Shuttlebus (bezahlt wird direkt beim Fahrer, Kosten für Hin- und Rückfahrt 6 €), der den Vesuv hinauffährt (Dauer: etwa eine Stunde). Über Pompeji an sich kann ich nichts sagen, aber die ersten Impressionen waren auch eher negativ (heruntergekommene und ärmliche Chaosstraßen). Vom Busparkplatz bis zum Krater wandert man etwa 15 Minuten auf einem bequemen Weg. Während der Krater eher ein unspektakuläres Gerölltal darstellt, war der Ausblick das Highlight des Tages! Anschließend ging es mit der Circumvesuviana zurück nach Neapel und von dort mit einem schnelleren Zug für 27 € p.P. in anderthalb Stunden zurück nach Rom. Tagesfazit: Neapel ist zu groß für einen Tag und macht einen geradezu gefährlichen Eindruck. Ich würde bei Zeitmangel empfehlen, direkt nach Pompeji bzw. auf den Vesuv zu fahren!

Tag 6: Kein Strom, keine Metro

Nach der Hauruck-Aktion vom Vortag ließen wir den Donnerstag ruhig angehen. Sowohl in unserer Wohnung als auch im ganzen Viertel fiel der Strom aus, sodass wir in der Tavola ums Eck vorgekochte Lasagne aßen, die ungekühlt in der Theke lagerte – in Deutschland undenkbar. Anschließend bemerkten wir, dass unsere Metrostation abgesperrt war. Bei der nächsten warteten wir eine halbe Stunde vergeblich, bis eine Durchsage auf Italienisch vermuten ließ, dass es eine technische Störung gab (Hinweisschilder oder Personal wären wohl zu viel verlangt gewesen). Also nahmen wir ein schäbiges Taxi, das uns über Umwege für 16 € in die Stadt beförderte. Und unglaublich: Auch die dortige Metrolinie stand still! Unser angedachter Ausflug nach Ostia Antica fiel also flach und wir gönnten uns touristenlike Shoppen und Torte in den Geschäften und Cafés am Bahnhof Termini.

Eine positive Überraschung erwartete uns am Abend im eigenen Viertel (in dem der Strom mittlerweile wieder lief): das römische Restaurant Pro Loco Dol in der Via Domenico Panaroli! Das gemütliche Ambiente erinnerte an einen Tante-Emma-Laden mit einer Theke voller selbsthergestellter Wurst- und Käsewaren sowie einem Regal mit Pasta und Eingemachtem. Wir waren die einzigen Touristen und die supernette Bedienung übersetzte uns die komplette italienische Speisekarte auf Englisch und empfahl uns einen passenden Wein. Wir genossen eine himmlische Wurst- und Käseplatte als Vorspeise und selbstgemachte Ravioli mit Ricottafüllung (Zeche: ca. 17 €/Person).

Tag 7: Florenz

Nach vierstündiger Zugfahrt (erneut per Trenitalia online gebucht, Hinfahrt: ca. 22 €) kamen wir am Bahnhof Santa Maria Novella bei sonnigem Wetter in Florenz an. Die Stadt hat eine angenehme Größe, vom Bahnhof gelangt man direkt in die Innenstadt und erreicht alles bequem zu Fuß. Eine Offline-Karte ist auch hier empfehlenswert, man kann sich aber kaum verlaufen. In der Stadt reiht sich ein beeindruckendes Bauwerk an das nächste und auch abgesehen von den Highlights wie dem Duome oder dem Arno-Ufer mit der Ponte Vecchio sind die Straßen ruhig und sauber. Es gibt keine Touristenströme oder blinkende 1-Euro-Shops, sondern schöne Häuserfassaden und gemütliche Cafés und Restaurants. Man kann sich bildlich vorstellen, wie Dante Alighieri, Michelangelo, Galileo Galilei usw. in dieser Kulturhochburg gelebt bzw. gewirkt haben und manche Schauplätze erkennt man aus Dan Browns Beststeller „Inferno“ wieder.

 

In einem gemütlichen Restaurant aßen wir für ca. 22 €/Person Lasagne, danach gab es Cappuccino und traditionelle Cantuccini, die man in den dazu gereichten Dessertwein tunkt (den Rest des bröseligen Getränks kippten wir uns unauffällig in den Rachen – man will ja nichts verkommen lassen!). Empfehlenswert war ansonsten der Boboli-Garten (Eintritt: 10 €), in dem es nicht nur Parkanlagen und Statuen zu bewundern gibt, sondern der einen tollen Ausblick auf Florenz und das Bergpanorama des Apennins bietet. Auch die beliebte Gelateria Santa Trinita ließen wir uns nicht entgehen – die zwei Kugeln für 8 € waren aber nichts Besonderes. Anschließend fuhren wir mit einem schnelleren Trenitalia-Zug (Kostenpunkt: leider 52 €) zurück nach Rom. Tagesfazit: Florenz ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

 

Tag 8: Abflug mit Hindernissen

Vom Abreisetag haben wir vor allem eines mitgenommen: Nein, zweieinhalb Stunden vor Abflug zum Flughafen aufbrechen (geplante Dauer: ca. 45 Minuten) reicht nicht. Der Bus von der Metrostation Cinecittà zum Flughafen kam fast eine Stunde lang nicht. Als wir endlich am Aeroporto di Ciampino ankamen, hatten wir nicht mal mehr eine halbe Stunde bis zum Boarding und mussten, einem panischen Mr. Bean ähnlich, peinlich zur Sicherheitskontrolle und auf Irrwegen zum richtigen Gate spurten. Tipp: Online einchecken spart euch für solche Notfälle wertvolle Zeit! Zum Glück hatten wir nur Handgepäck und konnten uns erleichtert, außer Atem und hungrig (tja, zum Essen war dann keine Zeit mehr – die gerechte Strafe!) in die Schlange der irritierten Fluggäste einreihen.

Fazit

Nach der Woche war ich froh, wieder ins ruhige und bürokratische Deutschland zurückzukehren. Neapel empfand ich als Enttäuschung – wer sich für Archäologie interessiert oder Lust auf eine kurze Wanderung mit Panoramablick hat, kann gleich nach Pompeji fahren. Kulinarisch hielten die letzten Urlaubstage positive Überraschungen bereit. Das Städte-Highlight war eindeutig Florenz – wer eine Italienreise plant, sollte diese Kulturmetropole als Ausgangsort wählen! Insgesamt empfand ich Rom als durchwachsen, die Zeit dort war aber trotz (oder gerade wegen) unserer lustigen Pannen und der vielen Erlebnisse ein toller Urlaub!

Wart ihr schon mal in Neapel, Pompeji oder Florenz? Wie war euer Eindruck? Was habt ihr unternommen?

4 thoughts on “Sieben Tage Rom – Teil 2/2

  1. Hey Siri, Fran,
    ich bin Italien-Fan und hatte mir irgendwann mal vorgenommen, diese tolle Sprache zu lernen. Deshalb habe ich über mehrere Jahre immer wieder Sprachschulen besucht: in Florenz, Verona und Rom.
    Auch für mich ist und bleibt Florenz die schönste Stadt, sie ist so sauber und ordentlich und gepflegt – das kommt unserem Naturell wohl sehr entgegen 😉
    Sie ist aber definitiv auch am teuersten.
    Gleich danach kommt für mich Verona, ist zwar sehr klein, aber irgendwie gemütlich und hübsch, mit sehr leckerem Essen und netten Weinlokalen, da kann man es gut aushalten. Man darf sich halt an de, manchmal sehr österreichischen Einschlag nicht stören.
    Rom hatte ich mir extra als Highlight aufgehoben, so als Abschluss und Belohnung, wenn ich schon etwas besser italienisch kann – und interessanter Weise ging es mir wie dir: ich fand es ganz okay, klar, mit unglaublich viel Geschichte, das vermittelt schon ein tolles Gefühl, aber am besten gefiel mir sie am frühen morgen, noch vor acht Uhr, beim Joggen. Alles leer und still. Schon später am Vormittag wurde man von den vielen Menschen erschlagen und das Essen war an allen bekannten Plätzen, also quasi in der ganzen Innenstadt, sehr touristisch und echt nicht gut.
    Wer Italien näher kennen lernen will, kann das definitiv in vielen schönen Städten tun – aber Rom muss nicht dabei sein.
    in diesem Sinne 🙂
    Jule

    1. Hi Jule,
      das mit den verschiedenen Sprachschulen in Italien klingt ja toll! Hast du das im Rahmen eines Urlaubs gemacht oder wie kann man sich das vorstellen? Da du zu Florenz eine ganz ähnliche Meinung hast, behalten wir Verona auf jeden Fall mal im Hinterkopf, danke! 🙂 Es ist auch schön, zu hören, dass wir anscheinend nicht die einzigen sind, die in Rom nicht unbedingt ein Highlight gesehen haben. So früh morgens waren wir leider nicht unterwegs. Schön fand ich die Stimmung spätabends im Foro Romano und am Colosseum, als nicht mehr so viele Menschen unterwegs waren – aber tagsüber geht der Flair durch die vielen Touristen wirklich verloren, da stimme ich dir zu.
      Warst du außerhalb deiner Sprachreisen vielleicht schon mal in Neapel und/ oder Pompeji? Wenn nein, würde es dich interessieren?
      Viele Grüße!
      Fran

  2. hey Fran,
    ja, Urlaub im Sinne von morgens die Schulbank drücken und nachmittags in das italienische Leben eintauchen, möglichst in Vierteln mit vielen Einheimischen wohnen, die Sprache testen und mal versuchen, ein bisschen so wie sie zu leben.
    Interessanterweise hat mich das nach und nach gelehrt, dass die typisch deutsche Erwartungshaltung bzgl des „dolce vita“ kaum zutrifft. Auch sie kochen nur mit Wasser, sind sicherlich deutlich Familien-verbundener und das Essen ist einfach viel besser – aber soziale Probleme und oftmals auch finanzielle haben sie sehr sehr viel mehr als wir.
    Neapel und Pompeji kenne ich nicht – aber kürzlich war ich in Genua, auch eine Stadt, die durchaus mit gemischten Gefühlen zu sehen ist.
    lieben Gruß
    Jutta

    1. Ich finde es inspirierend, dass du als Italien-Fan bei aller Begeisterung trotzdem einen rationalen und ehrlichen Blick auf das Leben dort behältst. Deine Schilderungen, auch von den halbtägigen Sprachkursen, klingen echt spannend!
      In Genua war ich noch nicht – was hat dir dort gut bzw. nicht gefallen? Als sonstige italienische Orte kenne ich noch Venedig (das ich zu touristisch und schmutzig fand) und den südlichen Gardasee, wo ich mit meiner Familie immer schöne Campingurlaube verbrachte. 🙂
      Liebe Grüße, Fran

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