Mein einsamer Rummelplatz

Wie meine Alltagssituation bis vor kurzem war? Stellt euch einen Rummelplatz vor. Der Platz stellt mein Leben dar und alle Fahrgeschäfte und Stände die Aspekte meines Alltags. Da ist das Karussell, in dem ich stundenlang meine Gedanken kreisen lasse. Da ist das Riesenrad, auf dem ich lesend oder lernend immer weiter nach oben steige und meinen Horizont erweitere, bevor mein Wissensstand mit der Zeit wieder sinkt. In der Geisterbahn stelle ich mich meinen Ängsten (und lache hinterher über manche), beim Losgeschäft treffe ich Entscheidungen für die Zukunft und an den Naschbuden gönne ich mir Zucker bis zum Umfallen. Klingt ja abwechslungsreich, oder? Mir ist nur aufgefallen: Der Festplatz ist ziemlich leer. Ab und zu laufen meine engsten Freunde hinüber und wir plaudern bei einer Fahrt im kitschigen Kettenkarussell über Tiefgründiges, Lustiges, Persönliches. Aber wann kommen denn mal neue Menschen zum Jahrmarkt und aktivieren die eingerostete Achterbahn?

Für alle, die nur Karussell verstanden haben: Die Phase, die ich mit dem Bild beschreibe, lässt sich wohl am besten mit Einsamkeit, Egozentrik oder Monotonie betiteln. (Wen es interessiert: In diesem Online-Artikel der WELT geht es um eine Studie über den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Egozentrik). Das war, bevor ich meinen eigenen Rummelplatz endlich mal verlassen habe. Ihr fühlt euch momentan etwas einsam, gelangweilt oder habt das Gefühl, nur um euren eigenen Kram zu kreisen? Ich kann euch empfehlen, mal aus eurem Hamsterrad (oder Riesenrad?) herauszukommen! Das klingt so banal und man hört es an jeder Ecke, aber oft ist die Lösung tatsächlich einfacher, als ihr denkt. Wenn ihr zum Beispiel etwas mit Freunden ausmacht, eine Reise unternehmt oder auch nur eine Party mit neuen Leuten besucht, kann euch diese Abwechslung aufrütteln und beleben. Ihr fühlt euch, als ob ihr aus einem müden Nebel aufschreckt und endlich den Moment wahrnehmt. Plötzlich wirkt das Leben bunter und leichter. Als ich meinen grabesstillen Jahrmarkt verließ, erkannte ich, dass es Berge zu erklimmen gilt, statt künstliche Riesenräder. Es gibt zu lösende Probleme in anderer Leben, statt nur meine eigene Geisterbahn. Da draußen schmeckt Zuckerwatte nach Genuss und nicht nach Dickwerden. Und ich kann selbst neue Wege entdecken, statt Losscheine anzunehmen!

Die Moral von der Geschicht´? Zuckerwatte ist lecker? Ja, das auch. Vor allem aber ist es wichtig, für jede Phase das richtige Maß zu finden. Ich denke da an das Modell vom Archaischen Kreuz, das besagt, dass man abwechselnd Abenteuer und Sicherheit, Spaß und Tiefgang usw. benötigt, um sich durch die Polarität des Lebens weiterzuentwickeln und zufrieden zu sein. Also, nehmt euch genügend Zeit für euch selbst und genießt die Ruhe. Aber wenn ihr in der Karussellfahrt des Alltags einzuschlafen droht, steigt aus und sorgt für neuen Input!

Könnt ihr euch mit dem einsamen Rummelplatz als Sinnbild für Einsamkeit/ Egozentrik identifizieren? Oder würdet ihr den Zustand anders vergleichen?

Bildquelle: Pixabay

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