Es könnte alles so einfach sein

Kennt ihr die Situation, wenn ihr jemandem von einem Problem erzählt und die Person das nur mit „Warum? Die Lösung ist doch ganz einfach“ quittiert? Mir fällt das bei so manchen Individuen in meinem Umfeld auf, egal, ob Kommilitonen in der Uni oder Kollegen auf der Arbeit. Ja, ist etwa nicht alles im Leben „ganz einfach“?

Nehmen wir ein konkretes Beispiel aus dem beruflichen Umfeld, um es uns besser vorzustellen. Wir sitzen in einem Büro und verschicken über eine Spedition Würstchen an Imbissbudenbesitzer. Einer dieser Kunden ruft an, weil ein Karton Würstchen total vergammelt bei ihm angekommen ist. Was tun? Die easypeasy Personen würden sagen: „Ist doch ganz einfach, wir schicken ihm einen neuen Karton Würstchen, der Kunde ist zufrieden und dann passt alles wieder.“ Ja, warum nicht?

Weil Probleme nicht gelöst werden. Irgendwo im Workflow muss es passiert sein, dass ein Karton vergammeln konnte. Wenn wir jetzt nicht nachschauen, woran das lag, können wir nicht ausschließen, dass der Kunde erneut vergammelte Würstchen bekommt. Eventuell liegt es auch gar nicht an unserer Lieferung oder Spedition, sondern der Kunde will nur eine kostenlose Ersatzlieferung abstauben? Ganz so einfach kann man sich die Arbeit nicht machen.

Im Alltag

Respektlos wird es, wenn ich jemandem etwas erzähle, zum Beispiel: „Alle meine Züge hatten Verspätung und dann musste ich ewig auf die nächste Verbindung warten, waren das Umstände!“. Und mein Gegenüber antwortet dann nur supercool: „Warum bist du denn nicht einfach mit dem Flixbus gefahren?“ Hm, vielleicht, weil ich vorher nicht weiß, ob sich die Bahn verspäten wird? Vielleicht, weil ich 30 Kilometer von der nächsten Haltestelle entfernt wohne? Vielleicht, weil ich Flixbusse schlichtweg nicht mag? Es gibt tatsächlich menschliche Exemplare, mit denen kann ich beim besten Willen nicht mehr kommunizieren, weil sie auf wirklich jede meiner Fragen oder Aussagen eine ganz einfache Lösung wissen. Gut, wer nicht will, der hat schon, oder?

Auf mich wirkt es so, als ob mich die andere Person für zu blöd hält, die naheliegendste Lösung zu finden. Was anderes ist es, wenn sie einfühlsam fragen würde „Und wenn du künftig mal nach Alternativen, wie dem Flixbus, schaust?“ – ja, darauf könnte das Gespräch aufbauen. Aber die „ist doch ganz einfach“-Mentalität stößt mich nur vor den Kopf!

Einfach leben?

Nun wechseln wir die Sichtweise und betrachten nicht die anderen Personen, sondern uns selbst. Jeder von uns könnte sich das Leben ganz einfach machen. Zum Beispiel hätte ich nach der Ausbildung kein Studium beginnen brauchen – wäre doch viel einfacher, jetzt bequem und gut bezahlt im Büro zu sitzen. Das hat etwas mit den individuellen Ansprüchen zu tun, die wir an uns haben. Meine easypeasy Mitmenschen mögen das ganz einfache Leben befürworten, ist ja völlig okay, jeder wie er mag. Fran hat hierzu schon einmal einen tollen Beitrag geschrieben.

Als Fazit würde ich nun festhalten, dass die „ganz einfach“-Denker zwar oft die schnellste Lösung finden, Ursachen aber nicht bekämpft werden. Für hilfreiche Ratschläge bin ich dankbar, aber auf die Überheblichkeit, wie viel einfacher ich dies und jenes und mein ganzes Leben hätte lösen können, verzichte ich gerne.

Wie seht ihr das – alles ganz einfach oder doch etwas komplizierter? Habt ihr auch solche Mitmenschen?

Und zum Abschluss gibt’s hier ganz einfach noch Musik. Musste einfach sein.

 

 

 

 

8 thoughts on “Es könnte alles so einfach sein

    1. Erst mal SORRY für die späte Antwort, bei uns liefen seit März alle Kommentare in den Papierkorb 🙁

      Da hast du vermutlich Recht! Meiner Erfahrung nach reflektieren sich diese Leute selbst kaum, sondern gehen von vornherein den einfachsten Weg, sodass sie mit sich und ihrer kleinen Welt schon zufrieden sind. Dann nehmen sich, zumindest die Exemplare, die ich kenne, heraus, diese Weisheit auch auf andere zu übertragen und ihnen „hilfreiche“ Ratschläge zu geben. Oh man!

  1. Ich würde eine Frage, die mit „Warum hast du nicht …“ beginnt, nicht so negativ bewerten. Es ist vielleicht die für die andere Person naheliegendste Lösung, und sie verstehttatsächlich nicht, warum man das nicht so gemacht hat und möchte es wissen. Vielleicht hat man selbst gute Gründe gehabt, die das Gegenüber nicht bedacht hat. Darauf kann man schon ein Gespräch aufbauen, an dessen Ende eventuell beide eine neue Lösungsmöglichkeit für eine Situation haben. Aber es kommt natürlich sehr darauf an, in welchem Tonfall diese Warum-hast-du-nicht-Frage gestellt wird.

    1. Hallo Tanja,

      danke für deinen Kommentar und entschuldige bitte die späte Antwort, wir hatten hier technische Probleme in den Kommentaren.

      Ich stimme dir zu, allerdings auch eingeschränkt, wenn 1. wie du sagst, der Tonfall stimmt und 2. die Person es authentisch meint. Ich kenne mittlerweile mehrere Menschen, die aus Prinzip auf alle Aussagen mit „Warum hast du nicht …?“ antworten. Schwer vorstellbar, aber wahr. Das geht so weit, dass ich z.B. von meinen Emotionen erzähle und die andere Person nur relativiert „Aber das ist doch gar nicht so anstrengend.“ Ahja.
      Die gesamte Einstellung finde ich sehr unhöflich und respektlos, was dann sogar schon zum Kontaktabbruch meinerseits geführt hat. Denn warum soll ich mich ständig rechtfertigen?
      Vielleicht reagiere ich auch aufgrund meiner Erfahrungen mit solchen Menschen schon allergisch auf die Frage.

      Liebe Grüße
      Siri

      1. Ich glaube, ich habe mir bei meinem Kommentar auch eher alltägliche und wenig emotionale Situationen vorgestellt. In meinem Arbeitsalltag ist die Frage „Warum machst du das (nicht) so?“ sehr häufig, und sie entstammt fast immer dem Bestreben den Gefragten ernsthaft zu helfen. Das kann schon mal nerven, weil eben viele Wege nach Rom führen, aber oft hilft es auch weiter.

        1. „Warum machst du das so?“ (ohne das „nicht“) finde ich auch legitim und absolut hilfreich zum Reflektieren. Allerdings muss ich die im Privaten nicht andauernd von anderen hören, im Berufsumfeld klingt sie jedoch sehr sinnvoll. Ich stelle mir die Frage tatsächlich oft selbst, um Stillstand zu vermeiden.

  2. Ich würde eine Frage, die mit „Warum hast du nicht …“ beginnt, nicht so negativ bewerten. Es ist vielleicht die für die andere Person naheliegendste Lösung, und sie verstehttatsächlich nicht, warum man das nicht so gemacht hat und möchte es wissen. Vielleicht hat man selbst gute Gründe gehabt, die das Gegenüber nicht bedacht hat. Darauf kann man schon ein Gespräch aufbauen, an dessen Ende eventuell beide eine neue Lösungsmöglichkeit für eine Situation haben. Aber es kommt natürlich sehr darauf an, in welchem Tonfall diese Warum-hast-du-nicht-Frage gestellt wird.

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