Sich selbst neu erfinden – Teil 1

Sich selbst neu erfinden klingt erst mal fürchterlich abstrakt, nach esoterischen Weisheiten und vielleicht auch anstrengend. Deshalb möchte ich eine Reihe starten, die euch die Selbstneuerfindung stückchenweise näherbringt und – versprochen – nicht abstrakt ist! Ziel ist, zu der Person zu werden, die du sein willst!

Ich schreibe nicht über Selbstneuerfindung, weil ich mich für die Oberguru-Schule der Selbstfindungstrips bewerben möchte, sondern, weil ich mich tatsächlich selbst gerade in einer Lebensphase befinde, die mich nicht zufriedenstellt. Wenn ich in mich hineinblicke, sehe ich da nichts. Und das ist ein sehr komisches Gefühl! Niemand von uns will ein hohler, schwarzer, dumpfer Resonanzkörper sein. Wer bin ich? Wie bin ich? Was will ich? Ich denke, also bin ich?

In den ganzen altklugen Ratgeberartikeln wird vorgeschlagen, sich selbst genau diese Fragen zu stellen, um sein Leben anschließend so richtig schön umzukrempeln. Aber wie komme ich denn an die Antworten? Das verraten sie uns natürlich nicht. Deshalb möchte ich euch auf meinem Selbstfindungstrip (symbolisch gemeint, wir müssen dafür nicht durch Thailand wandern) stückchenweise mitnehmen und gleichzeitig eine Anleitung in die Hand drücken, falls ihr auch mal unzufrieden mit eurem Status quo seid. Seid euch dabei bewusst, dass jede Veränderung unseres Inneren ein langfristiger Prozess ist, der Zeit benötigt. Im ersten Teil geht es nun um die Werte, nach denen wir leben.

Woher kommen unsere Werte?

Da Werte ein sehr abstrakter Begriff ist, definieren wir diesen am besten, um auf dem gleichen Nenner zu sein:

Werte bezeichnen im allgemeinen Sprachgebrauch als erstrebenswert oder moralisch gut betrachtete Eigenschaften bzw. Qualitäten, die Objekten, Ideen, praktischen bzw. sittlichen Idealen, Sachverhalten, Handlungsmustern, Charaktereigenschaften beigemessen werden.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wertvorstellung – ich habe zuerst nach wissenschaftlichen Definitionen in der Uni-Bib gesucht, aber die sind viel zu abstrakt um noch unterhaltend zu sein)

Jeder von uns bekommt gewisse Werte anerzogen. Das geschieht automatisch in unserem Elternhaus, indem uns gesagt wird, welche Tat gut und welche schlecht ist. Ein kleines Beispiel: Mir wurde unter anderem Fleiß beigebracht. Aber keinerlei Ordnung, weshalb ich nun ein echt unordentlicher Mensch bin. Einige von euch hadern vielleicht mit der Pünktlichkeit, weil auf diesen Wert in der Erziehung kein Fokus gelegt wurde. Daraus leite ich ab, dass wir nach wie vor von unseren Eltern bzw. Erziehungsberechtigten in unserer Lebensweise beeinflusst werden. Was sie versäumt haben, wirkt sich noch immer auf uns aus.

Und wisst ihr was? Ich möchte nicht mehr nach x-beliebigen Werten leben, die mir halt so zufällig mitgegeben wurden. Und ich kann mich damit auch nicht mehr vollends identifizieren, weshalb ich in mir nun diese Leere verspüre. Ja, ich bin zu Fleiß erzogen, aber entspricht das meiner Persönlichkeit? Will ich meine Arbeit nicht lieber in einem angemessenen Maße erledigen statt mich täglich sinnlos auszupowern? Es wird also Zeit, unser Leben und Wirken endlich selbst in die Hand zu nehmen. Ich muss und kann natürlich nicht alles über Bord werfen. Ich bleibe weiterhin pünktlich und hilfsbereit, ist ja nur von Vorteil (für alle).

Welche Werte gibt es?

Wie viele Werte es tatsächlich gibt, hat mich sehr überrascht. Auf der Seite www.wertesysteme.de findet ihr nicht nur eine Auflistung, sondern auch die Erklärung und viele weitere Infos rund um Werte. Ich bin so vorgegangen, dass ich viele Werte, die ich mir selbst zuschreiben würde oder die ich nicht kannte, angeklickt und durchgelesen habe. Daraus entstand eine Ist-Zustand-Liste, die ich nach Bedeutsamkeit gerankt habe. Oben steht der Wert, der den größten Teil in meinem Leben einnimmt, unten einer, den ich zwar noch täglich beherzige, aber eher weniger. Ordnung kommt bei mir zum Beispiel gar nicht vor (leider gibt es den Wert schmeißt alles ins Eck und übersieht das Chaos dann jahrelang nicht …).

Darüber habe ich ein paar Tage lang nachgedacht, zum Beispiel wenn ich Geschirr spüle oder dusche: Wann lebe ich Hilfsbereitschaft aus? Will ich noch fleißig sein? Was macht übermäßiger Fleiß mit mir? Bin ich wirklich immer gerecht oder doch nur, wenn ich mich in der begünstigten Position befinde? Gerade stecke ich noch in diesem Prozess des Reflektierens.

sich selbst neu erfinden_1
So könnte eine Liste aussehen: links der Ist-Zustand und rechts euer Wunsch-Zustand.

Mein nächster Schritt wird sein, mir meine Wunschwerte aufzuschreiben und diese auch zu ranken. Da würde bei mir zum Beispiel die Ordnung hinzukommen und der Fleiß etwas hinabrutschen. Anschließend möchte ich darüber nachdenken, wie ich die Werte in meinen Alltag einbauen kann und was sie für mich und mein Leben bedeuten werden. Ich werde auch dahinter schreiben, warum ich genau diese Werte für wichtig erachte. Dies bedeutet eine weitere, längere Phase, in der ihr euch intensiv mit euren Vorstellungen auseinandersetzen werdet. Und dies dann umzusetzen, erfordert ein bisschen Disziplin. Vielleicht fallen im Praxistest auch wieder einige davon heraus. Möglicherweise ist es meiner inneren Struktur nicht möglich, weniger fleißig zu sein. Aber wer es nicht ausprobiert, wird es nie erfahren! In diesem Sinne: Traut euch und werdet zu der Person, die ihr sein wollt!

Wer sich selbst erst mal reflektieren möchte, kann in meinem Beitrag zur Selbstreflexion nachlesen, wie das eigentlich geht.

Hattet ihr auch schon mal eine Phase, in der ihr nicht wusstet, wer ihr seid? Habt ihr euch schon einmal selbst neu erfunden und ist euch dies langfristig gelungen?

16 thoughts on “Sich selbst neu erfinden – Teil 1

  1. Es gibt eine Auflistung von Werten ? Krass… ich wäre übrigens gerne ein erfolgreicher eBay-Verkäufer, aber ohne den komplett-auffressenden Stress dabei. Wenn das klappt hätte ich mich selbst neu erfunden. Aber wie geht das ? Und vor allem: wie bleibe ich da dran und vergesse es als Spinnerei nicht direkt wieder ?

    1. Liebes ittagebuch (hast du auch einen gesellschaftlich genormten Namen?),
      danke für deinen Kommentar. Deine leicht provokante Art gefällt mir.

      Neben popeligen privaten Websites gibt es ganze Werke und Forschungsliteratur zu Werten. Erstaunlich, oder? Dass man etwas Abstraktes niederschreiben kann! Zu irgendetwas müssen diese Geisteswissenschaftler ja nützlich sein.

      Es ist ein bisschen schade, dass du dich nur über deinen Erfolg als eBay-Verkäufer definieren möchtest. Daraus schließe ich, dass du, gerade nicht erfolgreich, als Person quasi gar nicht existent bist? Ich empfehle dir, die Methode anzuwenden, die ich im Beitrag beschrieben habe: Notiere dir die Werte, die einen erfolgreichen eBay-Verkäufer ausmachen und lebe sie. Ganz einfach. Wie du dran bleibst? Mit etwas Selbstdisziplin, einem Ziel und der stetigen Frage: Macht mich das glücklich?
      Wenn für dich der Erfolg des eBay-Verkäufers im Land, wo Milch und Honig fließen, liegt, sehe ich, was deine Motivation betrifft, gar kein Problem.

      Gern geschehen 🙂

      1. Danke für den Kommentar. Nein, ehrlich. Der erfolgreiche ebay-Verkäufer ist grade eine Variante meiner Möglichkeiten, die ich gerne wäre. Als Person quasi gar nicht existent ist schon hart – natürlich habe auch ich Wünsche, Erwartungen und Bedürfnisse von denen ich ausgehe, dass sie mich glücklich machen. Leider brauche ich aber in der Regel Kohle, um mir den Freiraum erst mal schaffen zu können, um mich damit zu befassen, welche Ich’s in mir denn jetzt was genau wollen und wer von denen Recht bekommt. Klingt kompliziert, Glück ist aber denke ich sowohl einfach als auch kompliziert. Weil ich als Mensch kein linear konstantes Wesen sondern pro Zeiteinheit sehr flatterhaft sein kann, was so meine Wünsche angeht. Aber es geht ja um Werte. Aber auch die sind recht instabil. Und ich behaupte auch direkt, das geht vielen Menschen so.

        1. Okay, Spaß beiseite. Ich behaupte mal, dass du gerade zu pragmatisch denkst und da Grenzen siehst, die gar nicht vorhanden sind. Nicht schlimm, mache ich auch oft.

          1) Du möchtest mehrere Personen sein bzw. mehrere erfolgreiche Seiten in dir vereinen. Ich glaube, dass das sehr anstrengend ist, weil das zulasten deiner Authentizität gehen wird. Du müsstest dich für jede Seite permanent verstellen, was dann natürlich nicht funktioniert, instabil ist und auf dich flatterhaft wirkt. Das wäre so, als wenn ich mir vornähme, anpassungsfähig zu sein. Das bin ich nicht, will ich nicht, kann ich nicht und macht mich unglücklich. Ich bin stets das Gegenteil, nämlich integer. Das herauszufinden, liegt bei dir selbst, nimm dir einfach mal Zeit und denke die Werte durch, was sie für deinen Alltag bedeuten würden. Da merkst du schnell, was funktioniert und was nicht.

          2) Geld: Hier würde ich dir empfehlen, deinen Blick etwas zu öffnen. Geld macht uns langfristig nicht glücklich! Mache das Gedankenspiel: Du hast alles Geld der Welt und deine materiellen Träume sind erfüllt. Sind aber auch die restlichen Wünsche erfüllt? Hast du Freunde, Familie, einen erfüllenden Beruf, Spaß am Leben, bist mit dir selbst im Reinen? Wieder ein Beispiel von mir: Als Studentin lebe ich aktuell unterhalb der Armutsgrenze. Ich muss mich täglich einschränken, habe kein Auto mehr, keine ruhige Nacht im Wohnheim. Aber ich war noch nie so glücklich und zufrieden mit meinem Leben wie heute. Weißt du, du kannst dein Leben lang auf das große Geld warten, aber bis dahin vergeudest du sehr viel Zeit. Warum nicht heute damit anfangen, den Status quo zu akzeptieren und in den Möglichkeiten zu optimieren, damit du morgen früh glücklich aufstehst? Darin gehe ich übrigens in einem anderen Teil dieser Reihe noch näher ein.

          3) Werte sind instabil: Hm, da würde ich dir widersprechen. Was uns instabil macht, ist die Oberflächlichkeit, übrigens auch ein Wert. Oder, dass wir uns selbt nicht kennen und verleugnen. Stichwort sich verstellen. Werte sind eben sehr schwierig, zu ändern, weil sie uns seit der Geburt von Eltern und Gesellschaft eingetrichtert werden (in der Soziologie gibt es ein Modell dazu, falls dich das interessiert). Werte sind das, was uns als Individuum und Gesellschaft zusammenhält. Deshalb kann ich eben NICHT spontan sagen „hach ja, ab heute bin ich ordentlich“, nachdem ich mehr als 20 Jahre lang im Chaos gelebt habe. Das meinst du mit flatterhaft, oder? Wir können unsere Werte nur bedingt und langfristig ändern und auch nur, wenn wir das wirklich wollen. Es setzt eine tiefe Reflexion mit dir als Person voraus. Bleiben wir beim scherzhaften eBay-Verkäufer: Vielleicht bist du zu faul, schöne Fotos zu machen. Oder unzuverlässig. Das sind beides Sachen, die du als Person lebst und sich dann logischerweise auch auf deine Tätigkeit niederschlagen. Ändere dich, dann änderst du auch deine Taten!

          So, das war jetzt harter Tobak, wie du siehst, fehlt es mir oft etwas am Wert Einfühlsamkeit 😀 Ich freue mich jedenfalls wirklich über deine Kommentare und wenn es dir hier jetzt zu öffentlich wird, kannst du mir gerne auch privat schreiben: siri.quergetippt@gmail.com.

  2. Wow, ein echt langes und sehr kluges Statement von dir. Hab’s nach zwei Tagen nochmal gelesen und bin beeindruckt. Zu 1 – ja, du hast recht, es ist anstrengend, nicht immer gleichmäßig zu ticken. Wobei „gleichmäßig“ eine Frage der Wahrnehmung ist. Aber ich kann das schwer sagen, ich frage ja z.B. meine Arbeitskollegen nicht so oft, wie sie mich wahrnehmen. Respekt, wenn du es dauerhaft schaffst, immer den gleichen Werten treu zu sein/für dich authentisch zu sein. Zu 2 – 80.000 Euro im Jahr ist die wissenschaftlich ermittelte Grenze zum Glücklichsein. Darüber hast du zu viel, musst es „anlegen“ und dir Sorgen machen, dass andere dich betrügen wollen. Darunter hast du zu wenig, um die gängigen Konsumwünsche zu erfüllen ( wobei Konsum jetzt nicht den überflüssigen Krempel meint sondern schon das, was zu einem „guten Leben“ so gebraucht wird ). Ich könnte übrigens auch gut mit wenig Geld, aber es gibt ja nicht nur mich allein in meinem Leben. Geld ist mir persönlich gar nicht so wichtig, aber manch einer hat Ansprüche, die eben einen ausreichenden Cashflow benötigen. Geld ist ja nur Mittel zum Zweck. Als Extremgegenbild kenne auch ich Dagobert Duck, dem es ausreicht in seinem Speicher zu hocken und sich am Vorhandensein der Taler zu freuen. Das ist nicht mein Verständnis. Auch habe ich letztens den schönen Satz gelesen „wenn du ein Problem mit Geld hast, ist Geld nicht dein Problem“. Zu 3 – ja du hast recht. ( was du bestimmt eigentlich gerne liest .. ). Werte an sich sind stabil. Aber dauerhaft – und damit meine ich jetzt auch mal einen Zeitraum von 20 Jahren und nicht nur Wochen und Monate – die gleichen Werte gleichgut zu finden halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit. Was nicht heißt, das es unmöglich ist. Aber sehr unwahrscheinlich. Ich gebe mir übrigens sehr große Mühe mit meinen Anzeigen, aber ich biete bei eBay Dinge an, die eigentlich keiner haben will ( z.B. ältere, wenn auch perfekt erhaltene Kochbücher ). DAS ist ein Problem – wenn es Dinge gibt, mit denen man Kohle verdienen kann, dann sind da idR andere schon dran bzw ich komme nicht an die richtigen ( billigen ) Bezugsquellen ( Alibaba ?? ). Und was ich alles „drumherum“ tun muss: Gewerbe anmelden, marktrecherche machen, Geld in die Hand nehmen – nur um nacher auf Kommissionsware sitzen zu bleiben und mich mit unverschämten Rabatt- u Retourenforderungen zu ärgern ? Ja, warum befasse ich mich mit sowas dann überhaupt ? Na weil mit bloggen nach meiner Erfahrung kein Geld zu verdienen ist 😉. Außer ich hätte eine ganz toll kreative Idee, bei der auch was bei rumkommt ( gerade am Radio gehört: mach ein Insta-Account, Fake viele Inhalte u Follower und schon bekommst du Sponsoren – das ist dann eher nicht so meins … ). So, bin auf den nächsten einfühlsamen Hammer gespannt 😉…

    1. Deine Worte gehen ja runter wie Öl, vielen Dank für die Blumen. Wir tun gerne (fast) alles für unsere Leser.

      Zu 1) Um durchgehend authentisch handeln zu können, ist es wichtig, sich selbst einigermaßen gut zu kennen. Ich treffe immer wieder auf Menschen, die eine völlig falsche Selbsteinschätzung von sich haben und dann zu sehr unleidigen Zeitgenossen werden. Zum Beispiel ist da der Introvertierte mit Sozialphobie, der von sich selbst denkt, er sei aufgeschlossen und extrovertiert. Trifft man sich mit ihm, ist er der größte Spaßverderber überhaupt und sagt den ganzen Abend keinen Piep. Wenn er akzeptieren würde, wie er ist, wäre er sehr viel zufriedener mit sich selbst und seine „Freunde“ könnten ihn viel besser einschätzen. Damit würde ich an deiner Stelle auch anfangen. Mit Persönlichkeitsmerkmalen: Intro- oder Extraversion, Grad der Sensibilität, Verhaltenstyp usw. Daraus kannst du schon viel schließen und so zu dir selbst finden. Daraus resultiert authentisches und selbstsicheres Handeln. Es sei denn, du WILLST dich permanent verstellen, das ist auch okay. Es sagt ja niemand, dass Authentizität das Maß aller Dinge ist. Allerdings merken deine Mitmenschen in der Regel, dass du dann nur eine Rolle spielst.

      Zu 2) Das klingt ja, als hättest du Carmen Geiss geheiratet. Auf wen beziehen sich die 80.000 € denn – eine vierköpfige Familie? Ich habe monatlich nicht mal ein Hunderstel von dieser Summe für mich zur Verfügung und bin, wie gesagt, glücklich. Der Rest ist Lebensstandard, der zur Bequemlichkeit beiträgt und ein bequemes Leben ist natürlich wünschenswerter als ein unbequemes. Zum Thema Geld will ich daher nur noch eines loswerden: Das, sowie alles andere, ist eine Frage der Einstellung. Du kannst entweder in deinem Einfamilienhaus hocken und dich bemitleiden, dass du weniger als der Nachbar zur Verfügung hast oder positiv denken und freuen, dass du nicht hungern musst. Einfach etwas weniger egoistisch denken – wozu willst du denn die ganzen Besitztümer anhäufen, wenn der Rest der Welt buchstäblich Dreck zum Überleben fressen muss? Ich selbst bin gewiss nicht Mutter Theresa, spende aber z.B. einen Teil meines unterirdischen Lohns an gemeinnützige Organisationen.

      Zu 3) Inwieweit Werte im Alter stabil bleiben, kann ich weder aus eigener noch beobachteter Erfahrung sagen. Entweder bleibt man dabei, die Person zu sein, die man sein möchte oder man fällt zurück in alte Muster und adaptiert wieder vollständig die vertrauten Werte aus dem Elternhaus bzw. ganz neue. Aber wenn ich das nicht will, mache ich es einfach nicht, ganz einfach. Ich kenne auch diese Menschen, die betrübt in ihrem Zimmer sitzen und sich denken „heute hätte ich eigentlich zuverlässig sein sollen“ – in deren Vokabular kommt überdurchschnittlich oft „hätte/würde/könnte/sollte/müsste/wollte“ vor, statt es einfach zu machen.

      Und zum eBay-Verkäufer muss ich auch nichts mehr sagen 😉 Du merkst wahrscheinlich selbst, wie die Themen miteinander zusammenhängen.

      1. Hallo nochmal, du/ihr bist/seid ja wirklich frech und direkt😉, aber das empfinde ich als seeehr authentisch. Man könnte auch effizient sagen, soviel Lebensklugheit in einem Kopf ( zwei Köpfen?), das hat schon was. Ich diskutiere ja an sich auch gerne, merke aber, wenn ich eingestehen muss, dass der/die andere Recht hat. Die Herleitung von Selbstsicherheit aus Selbsteinschätzung: Respekt, die Sichtweise finde ich gut. Kurz, knapp, schlüssig. Also du/ihr schreibt nicht nur bei anderen ab, das was ihr schreibt hat Substanz. Klingt jetzt alles nach Lobhudelei, meine ich aber so weil mich die Denkweise beeindruckt. Vor allem das „wenn du das so haben möchtest, mach es halt, falsch oder richtig gibt’s ja beim eigenen Charakter nicht.“ wobei ihr doch öfter auf Menschen mit falscher Selbsteinschätzung trefft. Find ich irgendwie witzig, ich denke bei und über andere Menschen an vieles, aber selten an deren Selbsteinschätzung. Wobei ich mich schon für empathisch halte, nicht immer und nicht überall, aber durch mein bisheriges Leben habe ich glaube ich ganz gute Antennen für situativ passendes Verhalten. Aber ich bin auch so ein harmoniebedürftiger Moderator-Mensch und fühle mich bei Konflikten immer bemüßigt, lösend eingreifen zu wollen. So, reicht dann aber auch schon an Selbstdarstellung, darum geht’s hier ja nicht. Den Vergleich mit Carmen Geiß finde ich witzig – sie würde sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, mit sowas verglichen zu werden. Es geht bei dem Geldthema aber nicht bloß um unnötigen Konsum oder Besitz sondern auch um Sicherheit. Natürlich auch um die Suche nach Glück und Erfüllung durch Konsum, schließlich hat man beim einkaufen mit persönlicher Beratung ja etwas sehr wertvolles: Aufmerksamkeit. Es geht auch mit weniger als 80.000 Euro, das kenne ich übrigens auch. Wobei man Geld auf etlichen Wegen bekommt, es geht ja da immer nur darum andere dazu zu bringen, es einem im Tausch gegen was auch immer möglichst freiwillig zu geben. Aber Geld ist nicht alles, es macht vieles leichter aber nicht schöner. Und es befreit auch von Sorgen, dass muss auch mal gesagt werden. Die 80.000 habe ich übrigens mal am Radio gehört – es ging um Glück durch Reichtum und ob ein Millionär glücklicher als andere ist. Nö, in der Regel nicht. Er hat Stress und ständig Angst, dass ihm einer unrechtmäßig was wegnimmt.
        Übrigens verstelle ich mich hier im Blog nicht, im Gegenteil. Da ich aber in meinen Texten über Arbeit schreibe und ich bestimmt Sachen schreibe, die mir aus der Firma heraus wg Veröffentlichung übel genommen werden können ist das ganze anonym.
        Ich finde übrigens eure anderen Artikel im Blog schön, es ist endlich mal was ernsthaftes ohne Aufarbeitung von persönlichen Defiziten. Irgendwie amüsant. Da merkt man dann – zumindest empfinde ich das so – Werte und Authentizität. Eben den Artikel über das Puzzeln gelesen. Ja, du puzzelst und „stehst auch dazu“. Nicht dass man das müsste, aber irgendwie hat diese Ernsthaftigkeit an so nem Thema was amüsantes. Positiv gemeint! Ich will ja auch ernsthaft mal reich werden wenn ich groß bin, dann muss ich mir um so blöde Dinge wie Krankenversicherung oder KFZ einfach mal keine Sorgen mehr machen. Muss ja nicht eBay sein, könnte mich ja auch in der IT selbstständig machen. Damit kann man tatsächlich sowas wie reich werden. Aber auch blöd, alles mit noch weniger Freizeit und noch mehr Sorgen ( kommt nach dem Auftrag ein neuer Auftrag, was ist, wenn ich mal ernsthaft krank werde etc. ) und da kommt dann eBay wieder von hinten angeschlichen – wenn ich das „lerne“ ist das langfristig doch ne Möglichkeit, nicht immer nur Kohle für alles mögliche abgeben zu müssen sondern auch mal welche reinzubekommen. So, jetzt geht euch das Thema wahrscheinlich langsam auf die Nerven, also belasse ich es mal hierbei.

        1. Vielen Dank für die lobenden Worte – es klingt ein bisschen, als wärst du überrascht, dass du hier auf Lebensweisheiten oder Klugheit stößt? 😀 Ja, wir „schreiben nicht nur ab“, wir schreiben tatsächlich komplett frei von der Seele weg!

          Ich wäre enttäuscht gewesen, hättest du die Schwachstelle in meiner Argumentation nicht gefunden: Wie kann ich einschätzen, ob sich andere falsch einschätzen, wenn es doch kein Maß gibt? Ein großer Punkt dabei ist einerseits die Menschenkenntnis und andererseits die Gabe des genauen Zuhörens. Menschen reden viel und gerne und stellen sich dabei unterschiedlich dar. Das vergleiche ich gerne mit ihren tatsächlichen Taten oder meiner Wahrnehmung von ihnen. Da gibt es zum Beispiel die Kommilitonin, die von sich selbst sagt „Ich bin ja so schüchtern!“ und dabei trampelt sie jedes Mal forsch über deine Grenzen, stellt sich in den Vordergrund und quasselt dir die Ohren voll. Bei mir kam das auch erst, als ich mich mit Persönlichkeitsmerkmalen beschäftigt habe, die bei anderen identifizieren konnte und dann festgestellt habe, dass es der Person gar nicht bewusst ist. Womit sie sich das Leben viel einfacher machen könnte, aber das ist nicht meine Baustelle.

          Harmoniebedürftige Menschen kämpfen auf der Negativ-Seite dieser Eigenschaft oft damit, dass sie verhältnismäßig viel Ärger einfach runterschlucken.

          Ich bin gerade ein bisschen knapp an der Zeit und werde in den nächsten beiden Tagen kein W-Lan zur Verfügung haben, deshalb danke ich dir auch nochmals für deine aufschlussreichen und ausführlichen Kommentare, die mich erneut zum Denken und Reflektieren angeregt haben!

  3. Oje, Werte?!
    Ja, ich weiß immer mal wieder nicht, wer ich bin. Das sind die Momente, wo ich dann da sitze und mich frage, was ich mit meinem Leben anfangen will. Mittlerweile hab ich diese Erscheinung im Griff. Aber die ersten Male hat mich das sehr runtergezogen.
    Man muss halt auch erkennen, dass das Sich-selbst-Hinterfragen nicht schlimm ist. Es gehört dazu. Auch wenn es so scheint, als würden andere das nie machen.
    Ich muss aber gestehen, ich hatte bisher keine wirklichen Wertkonflikte. Ich hatte einige Entscheidungen, zu denen ich mich mit Pro und Kontra durchringen musste. Ich hatte Entscheidungen, die Negatives hervorbrachten, aber daraus habe ich gelernt. Bisher kann ich alles mit mir und meinem Wesen gut vereinen.
    Aber klar, wir denken doch alle an Selbstverbesserung, manchmal zumindest. Das hat teilweise auch mit Neuerfindung zu tun. Das passiert aber nebenbei, kommt mir vor. Ich habe mich da so prozesshaft eingeglifert und mir eine Art Dynamik angewöhnt. Oder nein, besser ist Wandlungsfähigkeit. Ich kann umdenken und bei Fehlern oder schlechten Entscheidungen reflektieren und dann mich anpassen – oder ich entscheide, dass es zwar negative Folgen hatte, aber es war moralisch (oder was auch immer) richtig.
    Ich kann das schwer beschreiben. Klingt ja so, als wäre ich Opportunist (was wir alle manchmal ja auch sind, wenn wir ehrlich sind), aber irgendwie schaffe ich das nicht, es besser in Worte zu fassen. Du weißt, was ich meine, oder? 😉
    Jedenfalls – ich finde unser Wertesystem wichtig. Auch das gesellschaftliche und es verkommt immer mehr, meinem Empfinden nach. Ob das jetzt die Unart ist, permanent am Handy zu hängen oder alles nur mehr auf social media-Kanälen teilen, damit die Welt alles sieht, oder aber die hinnehmende Art, dass wir in einer Gesellschaft leben, die gerade einen Rechtsruck erfährt, wo Frauen vermehrt klagen, dass sie sexuell herabgesetzt und ausgebeutet wurden, etc.
    Ein bisschen Nachdenken über das eigene Handeln und die eigenen Werte ist so wichtig wie noch nie.
    Deswegen finde ich deinen Artikel auch sehr gelungen und wichtig (abgesehen vom Geisteswissenschaftlerbashing in den Kommentaren – 😜)! Mach weiter so!

    Liebe Grüße
    Astrid

    1. Hi Astrid, danke für deinen Kommentar! Ich melde mich in 1, 2 Tagen ausführlicher darauf, bin gerade knapp in der Zeit (Bahnchaos) und möchte nicht nur schnell irgendwas hinklatschen! 🙂

    2. So, jetzt habe ich deinen Kommentar endlich vollständig lesen und begreifen können 🙂 Haha, ich hoffe, man merkt, dass das Geisteswissenschaftlerbashing ironisch gemeint ist, denn mit den üblichen Sprüchen darf ich mich als angehende B.A.-Absolventin auch rumschlagen.

      Ich weiß, was du meinst und glaube, dass man es tatsächlich einfach als Anpassungsfähigkeit und beständige Reflexion beschreiben könnte. So wie Hermeneutik, nur für Menschen. Bei dir klingt es richtig gut, als ob du mit dir und deinen Werten im Reinen bist und das ist toll! Ich stelle es mir entspannend vor, wenn man sich am Ende des Tages sagen kann „ja, ich habe mich vielleicht falsch oder für das Unbequeme entschieden, es aber aus den richtigen Gründen getan“. Ansonsten plagen einen oft die was-wäre-wenn-Gedanken und ein schlechtes Gewissen.
      Die Dynamik, die du beschreibst, kenne ich auch gut. Man hört ja immer „Lerne aus deinen Fehlern“ – ja, das versuche ich, aber bei mir selbst muss ich da immer erst eine Ebene tiefer gehen und zunächst entschlüsseln, wann warum wo was schief gelaufen ist. Und dabei fallen mir immer merkwürdigsten Dinge auf, bis ich mir denke: Halt, wer hat dir eigentlich gesagt, dass du so sein sollst? Willst du überhaupt so sein? Wärst du nicht gerne anders?
      Ich habe diese Selbstneuerfindung deshalb auch als Reihe geplant, weil Werte sozusagen ein (unter)bewusstes Grundsystem für uns sind, es aber noch mehr Stellschrauben gibt, an denen wir drehen können. Wahrscheinlich auch einfacher drehen können, ohne, dass es unangenehm quietscht. Und ich bin mal gespannt, wohin diese Reise noch führen wird. Ich finde, dass deine Beschreibung mit dem Umgang deiner Werte und Selbstreflexion sehr authentisch und vernünftig klingt – so stelle ich mir tatsächlich einen entspannten Umgang mit mir selbst vor. Danke für die Inspiration!

      1. Dankt für deine lieben Worte, die haben mich sehr gefreut. Ich gebe mir Mühe, aber ich finde auch, es ist manchmal unerlässlich, dass dir liebe Menschen macnhmal echt brutal einen Spiegel vorhalten. Da knabbert man dann oft ganz schön… Aber wenn man das verarbeitet hat, weiß man auch ein bisschen besser, wie man ist, wie man werden möchte, was sich ändern muss, soll, …
        Weißt du, was ich meine?
        Ich freu mich jedenfalls auf die kommenden Beiträge!

        Liebe Grüße
        Astrid

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