Die Stimme aus dem Bauch

Wir alle kennen die beiden Stimmen in unserem Inneren: Kopfstimme und Herzstimme. Die sich ständig streiten.

Kopfstimme: Du brauchst ein neues Smartphone.

Herzstimme: Ich liebe Apple!

Kopfstimme: 1.000 € für ein Handy sind viel zu viel Geld! Kaufe ein günstigeres.

Herzstimme: Nur mit einem iPhone bin ich glücklich.

Und dann steht man schon im Laden an der Kasse und bemerkt einen Stein im Magen. Eine dritte Stimme mischt sich plötzlich ein:

Was zur Hölle tust du da?! Lass das! Das tut dir und deinem Konto gar nicht gut!

Doch da die Stimme keine konkrete Position in unserem Körper innehat und wir sie nur als gefühlsmäßiges Grollen wahrnehmen, ignorieren wir sie geflissentlich. Aber wisst ihr was? Diese Stimme ist die wichtigste von allen. Denn sie ist unser Bauchgefühl.

Wenn ich an meinen Bauch denke, korreliert das spontan immer mit meinem Wohlbefinden. Bin ich hungrig? Muss ich auf die Toilette? Habe ich Schmerzen? Geht es mir gut? Wo soll da Platz für ein Gefühl sein? Reicht es nicht, wenn ich meinen Magen schon mit Süßigkeiten und übergroßen Portionen vollstopfe?

Kopf vs. Herz vs. Bauch

Es ist also gar nicht so leicht, auf seinen Bauch zu hören (es sei denn, er knurrt). Versetzt euch mal in eine Situation zurück, in der ihr eine wichtige Entscheidung treffen musstet. Dabei habt ihr sicherlich die pragmatische Kopfstimme gehört, die euch vielleicht finanzielle und zukunftsorientierte Aspekte aufgezählt hat. Manchmal ist es ja so, dass man nicht auf diese Stimme hören will, sondern sich lieber von der Herzstimme leiten lässt. Hier kommen also irrationale Gefühle mit ins Spiel. Es geht um Status, um Zuneigung, um Hingabe, um Angst und so weiter. Und dann ist da doch immer noch eine dumpfe Stimme im Hintergrund, die zwischen diesen beiden vermittelt. Die dafür sorgt, dass wir die Entscheidung treffen, mit der es uns gut geht. Und da habt ihr die Stimme aus dem Bauch.

Bauchgefühl lohnt sich

  • Ein Negativ-Beispiel ist meine aktuelle Situation: Ginge es nach meinem Bauch, hätte ich niemals meine damalige Festanstellung gegen die Uni eingetauscht. Meine Herzstimme hat bei dieser Entscheidung nüchtern geschwiegen. Jetzt ist es die Kopfstimme, die mich durch das Studium prügelt, obwohl ich fast alles daran hasse. Und jetzt habe ich die Quittung: Meine derzeitige Situation ist eine unliebsame Belastung, vor der mich die Bauchstimme schützen wollte.
  • Als Kind hatte ich oftmals seltsame Bauchgefühl-Aktionen. Zum Beispiel versuchte ich monatelang, an der Kletterstange einen Felgaufschwung hinzubekommen, ohne Erfolg. Eines Tages bummelte ich so durch den Garten, als mich der Blitz traf: Ich wusste plötzlich ganz genau, welche Muskeln ich für diese Übung wie benutzen musste und schwupps, hatte ich den Felgaufschwung geschafft. Das Bauchgefühl hat in mir etwas gelöst und das richtige Wissen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung gestellt. Zuvor hatte ich wahrscheinlich zu verkrampft nach Kopfgefühl geübt und mich der empfundenen Frustration hingegeben.

Ich habe für mich herausgefunden, dass es wichtig ist, mit allen drei Gefühlen in Einklang zu sein. Und wenn sie sich mal uneinig sind, entscheidet zunächst die Kopfstimme. Diese Entscheidung darf dann das Bauchgefühl bewerten. Damit ich nicht nur Kontakt mit meinem knurrenden Magen aufnehme, stelle ich mir hierfür die Frage: „Was denkst du darüber?“ und lausche auf den ersten Impuls, der sich meldet. Und schon fällt mir die Entscheidung besonders leicht.

Habt ihr eure Bauchstimme schon mal bewusst wahrgenommen? Seid ihr Kopf-, Herz- oder Bauchmenschen? Habt ihr ähnliche „Eingebungen“ wie ich in meinem Beispiel erlebt?

8 thoughts on “Die Stimme aus dem Bauch

  1. Ja, instinktiv oder intuitiv kommen bei mir Entscheidungen zutage, die teilweise schwer zu erklären sind… und sie haben teilweise schwere Folgen. Und trotzdem wurde meine Situation dann besser bzw. auf verquere Weise habe ich Dinge geschafft, die ich „unüberlegt aus einer Bauch-Laune heraus“ begonnen habe.
    Alles im Einklang ist manchmal sehr schwierig. Aber meine Stimmen-WG hat sich bisher einigermaßen gut im Spiel des Lebens geschlagen. Ich bin zuversichtlich. 👍

      1. Ähm… naja… Doch. Mein Bauch gab ein sehr entnervtes Kommentar ab, als ich überlegte, ob ich meinen damaligen noch-nicht-Freund besuchen fahren sollte. Am Abend und allein. 😉 Herz sagte: Ja!, Kopf sagte: Oh Gott, bist du wahnsinnig! und Bauch sagte: Was soll denn passieren? Beweg deinen Arsch, sonst wirst du das nie wissen und bereust es EWIG!
        Und ja… das war vor neun Jahren und ich hab den Mann noch immer und der Bauch hat ein Machtwort gesprochen.

        1. Das ist ja eine schöne Geschichte! Ich kenne Beziehungen meistens andersherum, dass meine Herzstimme quengelt, der Bauch keine Lust mehr hat und nur der Kopf stur bleibt und die anderen beiden ermahnt, nicht alles aufzugeben. Deshalb bin ich jetzt auch Single, Ende der Geschichte 😀

  2. Hallo Siri
    Unwichtige Entscheidungen treffe ich gerne instinktiv – ausserdem fordere ich mich jedes Mal heraus, die Entscheidungen so schnell wie möglich zu treffen, wenn es um kleine Dinge wie Kleider einkaufen geht. Ich spüre aber schon eine grosse Verbesserung, meistens ist der erste Impuls sowieso richtig. Wenn ich zögere, mir das Kleid zu kaufen, dann werde ich es wahrscheinlich auch nicht so gerne anziehen. Natürlich gibt es immer Ausnahmen.
    Doch bei wichtigen Entscheidungen lasse ich mir ausnahmslos mindestens 24 Stunden Zeit. Schon alleine eine Nacht über die Entscheidung zu schlafen eröffnet einem einen neuen Blickwinkel. Des Weiteren fälle ich meine Entscheidungen nie, wenn ich traurig, unglücklich, gestresst, wütend oder ängstlich bin. Hätte ich das getan, wären mir viele tolle Dinge entgangen – zum Beispiel hätte ich mich niemals nach China gewagt. Aber auch schon kleinere Dinge, wie ein neues Hobby auszuprobieren, wären nie passiert, hätte ich mich bei schlechter Laune entschieden.
    Alles Liebe
    Zoey

  3. Hey Zoey!

    Was du schilderst, finde ich eine interessante Strategie, mit diesen Stimmen bei Entscheidungen umzugehen. Oft zögert man ja tatsächlich und fragt sich, warum eigentlich. Ich glaube, da bewahrt uns die Bauchstimme dann vor dem Kleiderkauf.
    Deinen Tipp mit den Emotionen muss ich auch mal beherzigen. Da bin ich leider viel zu impulsiv und treffe dann Entscheidungen, die mir hinterher leidtun.
    Witzigerweise erging es mir mit dem Auslandsaufenthalt genau andersherum 😀 Ich hatte eine Praktikumsstelle in den USA und einen Tag vor der Abreise sowas von keine Lust … zum Glück zwangen mich die Umstände dazu. Hätte ich da allerdings auf mein Bauchgefühl, wäre ich nicht gegangen. Schon sehr komisch und widersprüchlich, wenn ich darüber nachdenke. Aber das ist glaube ich nochmal ein ganz anderes Feld, wenn es um unsere Komfortzone geht 😉

    Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße!

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