Und los!

„Ich müsste noch meine Oma anrufen.“
„Ich könnte dir mal das Buch mitbringen.“
„Wenn es mal passt, sollten wir zu der Veranstaltung gehen.“

Ihr kennt sicherlich diese lästigen Konjunktive eurer Mitmenschen, auf die im seltensten Fall konkrete Aktionen folgen. Bevor ihr euch jetzt denkt: „Darüber wollte ich auch schon immer mal nachdenken…“ – Und los!

Ein typisches Beispiel spielte sich vor einigen Jahren mit einer Kollegin ab. Wir unterhielten uns über Bücher, ich erwähnte eines und sie rief: „Oh cool, das wollte ich schon immer mal lesen, aber ich schaff´s seit Jahren nicht!“ – Daraufhin teilte ich ihr mit, dass ich es zu Hause hätte. Sie zeigte Interesse, also schlug ich ihr vor, ihr das Buch mitzubringen. Sie stimmte zu, ich könne es ihr gern „irgendwann mal“ geben. Irgendwann mal? Nicht mit mir! Ich hatte schon das Handy gezückt, mir eine Erinnerung eingestellt, damit ich das Buch abends einpackte und am nächsten Tag lag es auf ihrem Schreibtisch. Obwohl sie sichtlich etwas perplex von meinem Aktivismus war, las sie das Buch in wenigen Tagen durch und gab es mir mit einem sehr positiven Eindruck zurück. „Ich musste es echt einfach mal anfangen“, sagte sie mir. Na also, warum nicht gleich so? Warum Wünsche, Pläne oder Gejammer stehen lassen, wenn die Lösung so schnell herbeizuführen ist?

Und los
Hätte, sollte, könnte – fangen wir doch einfach an!

Vom Müssen zum Wollen

Wenn es wirklich ungeliebte Pflichten wären, würde ich es Prokrastination nennen. Aber es sind doch oft Dinge, die wir eigentlich gerne tun und unnötigerweise als „To Do“ behandeln. Wir müssen vom Müssen zum Wollen kommen – oder es einfach lassen! Kennt ihr Aussagen wie „Ich muss heute Abend zum Training“ oder „Ich sollte eigentlich noch Oma anrufen“? Hinterfragt diese Scheinpflichten mal bewusst und kommt wieder zurück zum ursprünglichen Gedanken. Warum betreibt man gerne diese Sportart? Freut man sich nicht eigentlich darauf, von der Großmutter Neuigkeiten aus ihrem Garten zu erfahren oder was für einen Kuchen sie gebacken hat? Das funktioniert sogar bei Pflichten, aus denen sich noch was Positives rausholen lässt. Anstatt von „Ich muss morgen auf die Arbeit“ könntet ihr euch sagen: „Morgen auf der Arbeit will ich unbedingt xy schaffen!“. Und dann gibt es noch diese „Ich muss unbedingt…“-Sätze, die im Gegenteil überhaupt nicht sein müssen. „Ich müsste mehr auf die Leute zugehen“ – Musst du das wirklich, wenn du eine introvertierte Person bist  und das einfach unauthentisch wäre? Oder jemand erzählt zum Beispiel, er trainiere momentan für einen Zehnkilometerlauf und man sagt: „Ach ich müsste auch mal wieder joggen!“, obwohl man es überhaupt nicht leiden kann. Manche Pflichten oder Schlechte-Gewissen-Mantras sind völlig unnötig!

Soweit die Theorie. Ihr kennt sicherlich auch Menschen, die ständig mit Konjunktiven jonglieren und die eben NICHT vom Müssen zum Wollen oder gar zum Tun kommen. Diejenigen, deren To-Do-Liste des Alltags immer länger wird und die deswegen so viel vermeintlichen Stress haben. Die aber niemals etwas davon anfangen, weil sie es eigentlich auch gar nicht wollen. Statt einer konkreten Entscheidung taumeln sie zwischen Ja und Nein, zwischen Heute und Morgen, zwischen Will-nicht und Kann-nicht. Wahrscheinlich liegt die Begründung irgendwo im Selbstvertrauen, in der Angst vor falschen Entscheidungen oder wo auch immer. Aber ist das überhaupt wichtig? Dürfen wir das als Ausrede zählen lassen und uns gemütlich wieder in die Untätigkeit zurücksinken lassen? Ich denke, damit machen wir es uns zu einfach. Jeder kann sich selbst mal einen Schubs geben, denn wie heißt es so schön: Wo ein Wille, da ein Weg!

Kennt ihr einen Trick, wie man diese Menschen zur Tatkräftigkeit motiviert? Wann wird Entscheidungsmüdigkeit zur Gewohnheit? Sollte man als Außenstehender überhaupt eingreifen oder wird die betroffene Person dadurch nicht noch antriebsloser?

 

Bildquelle Beitragbild: Pixabay

8 thoughts on “Und los!

  1. Ich habe eine sehr seltsame Erfahrung gemacht, denn früher habe ich auch mehr im Konjunktiv gelebt. Das Komische war, oft schien schon der Gedanke wie eine Tat. Also: Ich sollte noch dies oder das, fühlte sich fast schon an, als hätte ich dies oder das schon getan. Gleichzeitig entstand eine merkwürdige Blase aus den ganzen Dingen, an die ich zwar gedacht, die ich aber keineswegs „erledigt“ hatte. Diese Blase hat mich dann so absorbiert, dass ich zum Tun gar nicht mehr kam. Ich weiß noch genau, wie überrascht ich war, dass es eben etwas anderes ist, etwas zu tun, statt nur daran zu denken. Natürlich klingt das absurd. Und damals musste ich über so viel Beklopptheit auch lachen. Aber es war so. Und deswegen ist es oft nicht „einfach“, es zu tun. Sondern es bedeutet, aus irgendeiner Blase herauszukommen. Und das braucht Mut.

    1. Hallo Stephanie,

      dieses Gefühl kenne ich auch – vor allem, wenn ich anderen von diesen Zielen erzählt habe. Zufällig habe ich neulich gelesen, dass laut einer Studie (nachzulesen z.B. unter http://www.alltagsforschung.de/meine-sache-unsere-ziele-sollten-wir-besser-fur-uns-behalten/) Ziele schlechter erreicht werden, wenn man sie öffentlich ausspricht, weil das Gehirn dann denkt, bereits etwas erledigt zu haben. Vielleicht ist das vergleichbar mit deiner Zielformulierung vor dir selbst. 😉 Es gibt aber auch Theorien, nach denen fixierte und öffentliche Ziele einen besser zum Handeln „zwingen“ – das erlebt wohl jeder anders. Ich stimme dir auf jeden Fall zu, dass es Mut braucht, um vom Gedankenspiel zur Tatenkraft zu kommen!

      Danke und viele Grüße
      Fran

  2. Toller Artikel – ich kenn das auch alles irgendwoher. Ich habe z.B. derzeit 2 Seminararbeiten offen, aber im Sommer war ich nur unterwegs. Und jetzt im Herbst ist man natürlich auf der Uni – als Doktorand und als Student in einem – mit Projektarbeit und Studentenkram beschäftigt. Ich komme nicht mal dazu, mich in die Themen wieder einzulesen. Ich will ja schließlich was Vernünftiges abgeben, aber genau das gelingt mir einfach nicht, von Grund auf nämlich schon nicht.
    Ich suche auch ständig nach Motivation und kann mir nicht erklären, wie die manchmal einfach so verrauchen kann… (https://labyrinthbewohner.wordpress.com/2016/10/25/motivation-bitte-melde-dich/) Aber ich erinnere mich dann auch immer daran, wieso ich etwas wollte und wieso ich es einmal auch machte und wieso es eigentlich damals gut war und mir gelungen ist. Das hilft schon. Ansonsten: Man muss sich seine Zeit gut einteilen, das hilft auch. Und nicht jeden Tag auf drei Stunden Kaffeetratsch mit der besten Freundin gehen – jeden 2. Tag reicht. V.a., da wir uns immer beschweren, wie wenig Zeit wir für alles haben… 😉

    Liebe Grüße
    Astrid

    1. Hallo Astrid,

      oh je, das hört sich auch sehr stressig an! Sich an vergangene Erfolgserlebnisse zu erinnern oder den Sinn in einer anstehenden Aufgabe zu finden, halte ich auf jeden Fall für eine gute Methode, um vom Müssen zum Wollen zu kommen – wobei es mir manchmal so geht, dass mich der Vergleichsdruck mit vergangenen Erfolgen noch mehr unter Druck setzt. Vielleicht kennst du das auch? Ich kann ansonsten deine Schilderung nur unterstreichen, dass man meistens viel zu lange darüber redet, was man tun muss, statt es endlich anzugehen. 😀 Danke für deinen treffenden Beitrag!

      Viele Grüße
      Fran

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